Geräte & Zugänge · Hämodynamik

PiCCO

Erweitertes hämodynamisches Monitoring mit TPTD = Transpulmonale Thermodilution. Ein kalter Indikator wird zentralvenös injiziert. Er passiert rechtes Herz, Lunge und linkes Herz. Ein arterieller Thermistor zeichnet den Temperaturverlauf auf (Thermodilutionskurve). Aus dieser Kurve werden HZV und Volumina berechnet. und kontinuierlicher Pulskonturanalyse: Aufbau, Messung Schritt für Schritt, alle Parameter mit Normwerten und die Einordnung nach Leitlinien.

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Prinzip & AufbauThermodilution + Pulskontur · Katheter · Setup

PiCCO = Pulse index Contour Continuous Cardiac Output. Das System (Getinge/Pulsion) kombiniert zwei Verfahren: die intermittierende transpulmonale Thermodilution, die als Kalibrierung dient, und die kontinuierliche arterielle Pulskonturanalyse. verbindet zwei Messprinzipien:

Benötigte Zugänge

ZVK Kältebolus Rechter Vorhof & Ventrikel (RA / RV) Lunge EVLW · PBV Linker Vorhof & Ventrikel (LA / LV) A. femoralis Thermistor Flussrichtung des Indikators → GEDV = Summe aller 4 Herzhöhlen (enddiastolisch) ITTV = gesamtes Thermovolumen Injektion → Messort

Messstrecke. Der Kältebolus durchläuft alle Herzhöhlen und die Lunge. Aus der mittleren Durchgangszeit und der exponentiellen Abfallzeit der Kurve werden ITTV und PTV berechnet. Daraus ergeben sich GEDV (= ITTV − PTV) und EVLW.

Animation · Weg des Kältebolus

Mit Start abspielen oder die Karten unter der Grafik wischen: Der Bolus folgt der Wischbewegung.

Animiertes Körperschema: Kältebolus vom ZVK in der V. jugularis interna über rechtes Herz, Lunge und linkes Herz in die Aorta bis zum Thermistor in der A. femoralis; am Monitor entsteht die Thermodilutionskurve. RA RV LA LV T° ZVK V. jugularis int. Lunge Thermistor A. femoralis PiCCO ABP · Pulskontur Thermodilution ΔT t PCHI GEDI ELWI –– –– ––
ZVK (V. jugularis int. → V. cava sup.) Arterieller Thermodilutionskatheter (A. femoralis) Kältebolus (15 ml NaCl 0,9 % < 8 °C)
Vorgehen Schritt für SchrittVorbereitung · Thermodilution · Kalibrierung

Ablauf einer Thermodilutionsmessung

  1. Setup prüfen: Arterielles Drucksystem gespült und frei von Luft, Kurve nicht gedämpft. Thermistorkabel und Injektat-Temperatursensor am ZVK-Schenkel angeschlossen.
  2. Nullabgleich: Druckaufnehmer auf Höhe des rechten Vorhofs (phlebostatische Achse) bringen und gegen Atmosphäre abgleichen.
  3. Patientendaten eingeben: Größe, Gewicht, Geschlecht und die Katheterlage (arteriell und venös, femoral oder jugulär). Das Gerät indiziert auf BSA = Body Surface Area, Körperoberfläche in m². Grundlage für Flussindizes wie HI und SVI sowie für Volumenindizes wie GEDI und ITBI. bzw. auf PBW = Predicted Body Weight, das Sollgewicht nach Größe und Geschlecht. Auf das PBW wird der ELWI indiziert, damit Adipositas das Lungenwasser nicht künstlich verkleinert.. Fehleingaben verfälschen alle Indizes.
  4. Injektat vorbereiten: In der Regel 15 ml NaCl 0,9 %, gekühlt (< 8 °C) beim Erwachsenen. Das Volumen richtet sich nach Körpergewicht und EVLW gemäß Gerätevorgabe. Bei hohem Lungenwasser ist eher mehr Volumen nötig, damit das Temperatursignal ausreicht.
  5. Ruhephase abwarten: Das Gerät zeigt „stabil“ an. Keine Manipulation am Patienten, keine Boli über andere Schenkel und möglichst keine Umlagerung.
  6. Bolus injizieren: Zügig und gleichmäßig in einem Zug (wenige Sekunden). Der Zeitpunkt im Atemzyklus ist frei, sollte aber einheitlich sein.
  7. Wiederholen: 3 Messungen innerhalb von etwa 10 Minuten. Ausreißer und Kurven mit schlechter Form verwerfen. Der Mittelwert kalibriert automatisch die Pulskontur.
  8. Plausibilität prüfen: Kurvenform ansehen (glatter Anstieg, exponentieller Abfall). Abweichung der Einzelwerte untereinander grob < 10–15 %. Die Werte müssen zum klinischen Bild passen.
  9. Dokumentieren und bewerten: Werte, Uhrzeit, Katecholamine und Beatmung festhalten. Den Arzt informieren, wenn Zielbereiche verlassen werden.

Wann (re-)kalibrieren?

CAVE Störfaktoren: Laufende Infusionen über den Injektionsschenkel pausieren (nicht die Katecholamine!). Die Katecholamine über einen separaten Schenkel führen, damit kein Bolus entsteht. Bei CRRT = Continuous Renal Replacement Therapy, kontinuierliche Nierenersatztherapie (z. B. CVVHD). Liegen Rückgabe- oder Dialysekatheter nahe der Injektionsstelle, kann ein Teil des Kältebolus abgesaugt werden. die Lage des Dialysekatheters beachten und nach Hausstandard vorgehen.
Die ParameterPCHI · GEDI · ELWI · PVPI · SVV/PPV · GEF · CFI …

Die Normwerte für Erwachsene stammen aus den Herstellerangaben (Getinge/Pulsion). Sie dienen der Orientierung und sind keine Zielwerte. Zielbereiche legt der Arzt individuell fest.

HI / PCHI — Herzindex

HI ist das HZV aus der Thermodilution, bezogen auf die Körperoberfläche. Er ist eine Momentaufnahme. PCHI (Pulskontur-Herzindex) ist der daraus kalibrierte, kontinuierliche Wert, der Schlag für Schlag aus der arteriellen Kurve berechnet wird.

HI / PCHI [l/min/m²]Bedeutung
> 5,0Hyperdynam, z. B. bei Sepsis, Fieber oder Anämie
3,0–5,0Normbereich
2,2–2,9Eingeschränkter Fluss: Vorlast und Kontraktilität prüfen
< 2,2Low-Output · Arzt informieren

PCHI = PCHZV / BSA · wird nach jeder Kalibrierung neu gesetzt

Begriffe:PCHZV = Pulscontur-Herzzeitvolumen in l/min. Das HZV wird kontinuierlich aus der arteriellen Druckkurve berechnet und dabei an der letzten Thermodilution kalibriert.BSA = Body Surface Area, die Körperoberfläche in m². Das Gerät berechnet sie aus Größe und Gewicht. Sie ist die Grundlage aller Indizes mit der Einheit „/m²“.

SVI — Schlagvolumenindex

Auswurf pro Herzschlag, bezogen auf die Körperoberfläche. Er hängt von Vorlast, Kontraktilität und Nachlast ab. Steigt der SVI nach PLR = Passive Leg Raising. Der Patient wird aus halbsitzender Position flach gelagert, die Beine werden um 45° angehoben. Das mobilisiert etwa 300 ml Eigenblut aus den Beinen und dem Bauchraum. Steigt der kontinuierlich gemessene SVI bzw. PCHI innerhalb von etwa 1 Minute um ≥ 10 %, ist der Patient volumenreagibel. Der Test ist reversibel und kommt ohne Infusion aus. oder Volumengabe um ≥ 10 %, ist der Patient volumenreagibel.

SVI [ml/m²]Bedeutung
> 60Erhöht, z. B. hyperdynamer Kreislauf oder Bradykardie
40–60Normbereich
< 40Vermindert: Volumenmangel oder Pumpschwäche

SVI = HI / HF

Begriffe:HI = Herzindex in l/min/m². Das HZV geteilt durch die Körperoberfläche, damit Patienten unterschiedlicher Größe vergleichbar sind.HF = Herzfrequenz in Schlägen pro Minute.

CPI — Cardiac Power Index

Die hydraulische Pumpleistung des Herzens, berechnet aus Fluss und Druck. Im kardiogenen Schock ist ein niedriger Wert prognostisch ungünstig.

CPI [W/m²]Bedeutung
0,5–0,7Normbereich
< 0,5Eingeschränkte Pumpleistung · Arzt informieren

CPI = MAP × HI × 0,0022

Begriffe:MAP = Mean Arterial Pressure, der mittlere arterielle Druck in mmHg. Er ist der treibende Druck für die Organperfusion.HI = Herzindex in l/min/m². Das HZV geteilt durch die Körperoberfläche, damit Patienten unterschiedlicher Größe vergleichbar sind.0,0022 ist ein Umrechnungsfaktor. Er wandelt das Produkt aus mmHg und l/min in die Leistungseinheit Watt um (≈ 1/451).

GEDI — Global enddiastolischer Volumenindex

Die Summe der enddiastolischen Volumina aller vier Herzhöhlen. Der GEDI ist ein volumetrischer Vorlastparameter und hängt, anders als der ZVD, nicht vom Druck ab.

GEDI [ml/m²]Bedeutung
> 800Volumenüberladung oder dilatiertes Herz
680–800Normbereich
< 680Volumenmangel möglich

GEDV = ITTV − PTV · GEDI = GEDV / BSA

Begriffe:GEDV = Global enddiastolisches Volumen in ml. Das ist die absolute Blutmenge in allen vier Herzhöhlen am Ende der Diastole. Auf die Körperoberfläche bezogen heißt der Wert GEDI (ml/m²).ITTV = Intrathorakales Thermovolumen. Das ist das gesamte Volumen, in dem sich der Kältebolus zwischen ZVK und arteriellem Messort verteilt (Herz, Lungenblut und Lungenwasser). Berechnet wird es als HZV × mittlere Durchgangszeit (MTt).PTV = Pulmonales Thermovolumen. Das ist die größte Mischkammer der Messstrecke, also die Lunge mit Blut und Lungenwasser. Berechnet wird es als HZV × exponentielle Abfallzeit der Kurve (DSt).BSA = Body Surface Area, die Körperoberfläche in m². Das Gerät berechnet sie aus Größe und Gewicht. Sie ist die Grundlage aller Indizes mit der Einheit „/m²“.
CAVE GEDI: Bei femoraler ZVK-Injektion ist der Wert falsch hoch, deshalb die Korrektur im Gerät einstellen. Auch große Aortenaneurysmen, Klappeninsuffizienzen und eine dilatative Kardiomyopathie verfälschen ihn. Als statischer Parameter sagt der GEDI Volumenreagibilität nur begrenzt voraus.

ITBI — Intrathorakaler Blutvolumenindex

Der ITBI ist die auf die Körperoberfläche bezogene Form des ITBV. Das ITBV setzt sich aus GEDV und pulmonalem Blutvolumen zusammen. Weil er rechnerisch aus dem GEDV abgeleitet wird, bringt er kaum zusätzliche Information.

ITBI [ml/m²]Bedeutung
> 1000Volumenüberladung
850–1000Normbereich
< 850Volumenmangel möglich

ITBV ≈ 1,25 × GEDV

Begriffe:ITBV = Intrathorakales Blutvolumen in ml. Das ist das Blut in den vier Herzhöhlen (GEDV) plus das Blut in den Lungengefäßen (PBV), näherungsweise 1,25 × GEDV. Nicht dasselbe wie ITBI: Das ITBV ist der absolute Wert in ml, der ITBI ist das ITBV geteilt durch die Körperoberfläche (ml/m²).GEDV = Global enddiastolisches Volumen in ml. Das ist die absolute Blutmenge in allen vier Herzhöhlen am Ende der Diastole. Auf die Körperoberfläche bezogen heißt der Wert GEDI (ml/m²).

SVV / PPV — Schlagvolumen- & Pulsdruckvariation

Die atemabhängige Schwankung von Schlagvolumen bzw. Pulsdruck unter Überdruckbeatmung. Beide sind dynamische Vorlastparameter.

SVV / PPV [%]Bedeutung
> 10–13Volumenreagibilität wahrscheinlich
≤ 10Normbereich · Volumenreagibilität eher unwahrscheinlich

SVV = (SVmax − SVmin) / SVmittel × 100

Begriffe:SV = Schlagvolumen in ml. Das Blutvolumen, das der linke Ventrikel pro Herzschlag auswirft.SVmax / SVmin / SVmittel sind das größte, kleinste und mittlere Schlagvolumen innerhalb eines gleitenden Zeitfensters von etwa 30 Sekunden (mehrere Atemzyklen).
Nur gültig bei: kontrollierter Beatmung ohne Spontanatmung, Sinusrhythmus, Tidalvolumen ≥ 8 ml/kg PBW = Predicted Body Weight, das Sollgewicht. Es errechnet sich aus Größe und Geschlecht: Männer 50 + 0,91 × (Größe in cm − 152,4), Frauen 45,5 + 0,91 × (Größe in cm − 152,4). Weil Fettgewebe kein Lungenwasser enthält, wird auf das Soll- statt auf das Istgewicht indiziert. Sonst würde das Lungenwasser bei Adipositas künstlich klein erscheinen. und geschlossenem Thorax. Bei lungenprotektiver Beatmung mit 6 ml/kg ist die Aussage eingeschränkt. Dann eher PLR oder einen Tidal-Volume-Challenge nutzen.

ELWI — Extravaskulärer Lungenwasserindex

Die Flüssigkeit außerhalb der Lungengefäße (interstitiell und alveolär), bezogen auf das PBW = Predicted Body Weight, das Sollgewicht. Es errechnet sich aus Größe und Geschlecht: Männer 50 + 0,91 × (Größe in cm − 152,4), Frauen 45,5 + 0,91 × (Größe in cm − 152,4). Weil Fettgewebe kein Lungenwasser enthält, wird auf das Soll- statt auf das Istgewicht indiziert. Sonst würde das Lungenwasser bei Adipositas künstlich klein erscheinen.. Der ELWI quantifiziert ein Lungenödem direkt am Bett. Ein hoher Wert ist mit höherer Letalität verbunden und markiert die Sicherheitsgrenze der Volumentherapie.

ELWI [ml/kg PBW]Bedeutung
> 10Relevantes Lungenödem · Volumen restriktiv · Arzt informieren
7–10Grenzwertig erhöht · Trend beobachten
3–7Normbereich

EVLW = ITTV − ITBV · ELWI = EVLW / PBW

Begriffe:EVLW = Extravaskuläres Lungenwasser in ml. Das ist die absolute Flüssigkeitsmenge außerhalb der Lungengefäße. Auf das PBW bezogen heißt der Wert ELWI (ml/kg).ITTV = Intrathorakales Thermovolumen. Das ist das gesamte Volumen, in dem sich der Kältebolus zwischen ZVK und arteriellem Messort verteilt (Herz, Lungenblut und Lungenwasser). Berechnet wird es als HZV × mittlere Durchgangszeit (MTt).ITBV = Intrathorakales Blutvolumen in ml. Das ist das Blut in den vier Herzhöhlen (GEDV) plus das Blut in den Lungengefäßen (PBV), näherungsweise 1,25 × GEDV. Nicht dasselbe wie ITBI: Das ITBV ist der absolute Wert in ml, der ITBI ist das ITBV geteilt durch die Körperoberfläche (ml/m²).PBW = Predicted Body Weight, das Sollgewicht. Es errechnet sich aus Größe und Geschlecht: Männer 50 + 0,91 × (Größe in cm − 152,4), Frauen 45,5 + 0,91 × (Größe in cm − 152,4). Weil Fettgewebe kein Lungenwasser enthält, wird auf das Soll- statt auf das Istgewicht indiziert. Sonst würde das Lungenwasser bei Adipositas künstlich klein erscheinen.

PVPI — Pulmonalvaskulärer Permeabilitätsindex

Das Verhältnis von Lungenwasser zu pulmonalem Blutvolumen. Er ist nur bei erhöhtem ELWI aussagekräftig und unterscheidet dann die Ursache des Ödems.

PVPIBedeutung (bei ELWI ↑)
> 3,0Permeabilitätsödem, z. B. ARDS oder Sepsis
1,0–3,0Hydrostatisches Ödem: Volumenüberladung oder Linksherzversagen

PVPI = EVLW / PBV (PBV ≈ 0,25 × GEDV)

Begriffe:EVLW = Extravaskuläres Lungenwasser in ml. Das ist die absolute Flüssigkeitsmenge außerhalb der Lungengefäße. Auf das PBW bezogen heißt der Wert ELWI (ml/kg).PBV = Pulmonales Blutvolumen. Das Blut in den Lungengefäßen, näherungsweise 0,25 × GEDV.GEDV = Global enddiastolisches Volumen in ml. Das ist die absolute Blutmenge in allen vier Herzhöhlen am Ende der Diastole. Auf die Körperoberfläche bezogen heißt der Wert GEDI (ml/m²).

GEF — Globale Ejektionsfraktion

Der Anteil des Schlagvolumens (×4 Herzhöhlen) am GEDV. Die GEF ist ein Kontraktilitätsmarker. Ist sie niedrig bei hohem GEDI, spricht das für eine eingeschränkte Pumpfunktion. Dann eine Echokardiographie erwägen.

GEF [%]Bedeutung
25–35Normbereich
< 25Eingeschränkte Kontraktilität · Echo erwägen

GEF = 4 × SV / GEDV

Begriffe:SV = Schlagvolumen in ml. Das Blutvolumen, das der linke Ventrikel pro Herzschlag auswirft.GEDV = Global enddiastolisches Volumen in ml. Das ist die absolute Blutmenge in allen vier Herzhöhlen am Ende der Diastole. Auf die Körperoberfläche bezogen heißt der Wert GEDI (ml/m²).

CFI — Kardialer Funktionsindex

Der Herzindex bezogen auf das enddiastolische Volumen. Wie die GEF zeigt er die Kontraktilität an.

CFI [1/min]Bedeutung
4,5–6,5Normbereich
< 4,5Eingeschränkte Kontraktilität

CFI = HI / GEDI

Begriffe:HI = Herzindex in l/min/m². Das HZV geteilt durch die Körperoberfläche, damit Patienten unterschiedlicher Größe vergleichbar sind.GEDI = Global enddiastolischer Volumenindex. Das ist der GEDV geteilt durch die BSA, Norm 680–800 ml/m².

dPmx — Linksventrikuläre Kontraktilität

Die maximale Druckanstiegsgeschwindigkeit der arteriellen Kurve. Sie eignet sich nur als Trend, weil sie von Nachlast und Messort abhängt.

dPmx [mmHg/s]Bedeutung
> 2000Erhöht, z. B. unter Inotropika oder bei Hyperdynamik
1200–2000Normbereich
< 1200Eingeschränkte Kontraktilität möglich

SVRI — Systemischer Gefäßwiderstandsindex

Die rechnerische Nachlast des linken Ventrikels.

SVRI [dyn·s·cm⁻⁵·m²]Bedeutung
> 2400Vasokonstriktion: kardiogener oder hypovolämer Schock, Vasopressoren
1700–2400Normbereich
< 1700Vasoplegie, z. B. septischer Schock

SVRI = (MAP − ZVD) × 80 / HI

Begriffe:MAP = Mean Arterial Pressure, der mittlere arterielle Druck in mmHg. Er ist der treibende Druck für die Organperfusion.ZVD = Zentraler Venendruck in mmHg, gemessen über den ZVK. Er ist nur Rechengröße für den SVRI und kein Vorlastparameter zur Volumensteuerung.80 ist ein Umrechnungsfaktor. Er wandelt mmHg·min/l in die Widerstandseinheit dyn·s·cm⁻⁵ um.HI = Herzindex in l/min/m². Das HZV geteilt durch die Körperoberfläche, damit Patienten unterschiedlicher Größe vergleichbar sind.
Hinweis: Einzelwerte nie isoliert bewerten. Aussagekräftig werden sie erst im Trend und in der Reaktion auf eine Intervention (siehe Interpretation).
InterpretationFluss · Vorlast · Lunge · Kontraktilität

Die Werte werden systematisch in Fragen gelesen, nie einzeln. Der Trend und die Reaktion auf eine Intervention zählen mehr als ein Einzelwert.

  1. Reicht der Fluss? HI/PCHI im Kontext von MAP = Mean Arterial Pressure, mittlerer arterieller Druck. Übliches Initialziel im septischen Schock sind ≥ 65 mmHg (individuell anpassen)., Laktat, Rekapillarisierungszeit, ScvO₂, Urinausscheidung und Vigilanz bewerten. Es gibt keinen „richtigen“ HI für alle.
  2. Ist der Patient volumenreagibel? Hinweise geben SVV/PPV (wenn gültig), ein niedriger GEDI und vor allem ein SV/HI-Anstieg im PLR = Passive Leg Raising. Aus halbsitzender Position wird der Oberkörper flach gelagert und die Beine um 45° angehoben. Das mobilisiert etwa 300 ml Eigenblut. Steigen HI/SV kontinuierlich gemessen um ≥ 10 %, ist der Patient volumenreagibel. Der Test ist reversibel und kommt ohne Infusion aus. oder nach einer Volumengabe. Die PCHI-Kurve zeigt das in Echtzeit.
  3. Ist Volumen sicher? Bei einem ELWI > 10 ml/kg ist das Lungenödem bereits relevant. Dann ist Volumen nur noch mit strenger Indikation vertretbar. Der PVPI zeigt die Ursache (Permeabilität oder Hydrostatik).
  4. Ist das Herz das Problem? Eine niedrige GEF bzw. ein niedriger CFI bei ausreichendem GEDI spricht für eine eingeschränkte Kontraktilität. Dann Echokardiographie und ggf. Inotropika nach ärztlicher Anordnung.
  5. Nachlast: Ein niedriger SVRI mit niedrigem MAP spricht für Vasoplegie (Vasopressor). Ein hoher SVRI mit niedrigem HI spricht für Low-Output mit Kompensation.

Typische Muster (Orientierung)

KonstellationDeutung
HI ↓ · GEDI ↓ · SVV ↑Hypovolämie, volumenreagibel
HI ↓ · GEDI ↑ · GEF ↓Kardiale Pumpschwäche · Echo, ggf. Inotropie
HI ↑/n · SVRI ↓ · MAP ↓Vasoplegie (z. B. Sepsis) · Vasopressor
ELWI ↑ · PVPI ↑Permeabilitätsödem (z. B. ARDS) · Volumen restriktiv
ELWI ↑ · PVPI n · GEDI ↑Hydrostatisches Ödem · Volumenüberladung, ggf. Entwässerung
Hersteller-Entscheidungsbaum: Getinge/Pulsion bietet einen Therapiealgorithmus an (HI → Vorlast → ELWI → GEF). Er ist eine Denkstruktur, keine Leitlinienempfehlung. Für die Therapieentscheidung gelten die unten genannten Leitlinien und die ärztliche Anordnung.
Leitlinien & IndikationWann erweitertes Monitoring?

Indikation

EmpfehlungS3 Volumentherapie 2020

Der ZVD soll nicht zur Steuerung der Volumentherapie verwendet werden. Stattdessen sind dynamische Parameter bzw. flussbasierte Verfahren (z. B. PLR mit HZV-Messung) zu bevorzugen.

Schwache EmpfehlungSSC 2021

Zur Steuerung der Volumengabe sollen dynamische Parameter (PLR, SV-/PPV-Variation) statt körperlicher Untersuchung oder statischer Werte allein genutzt werden. Dazu kommt die Steuerung über Laktat und die Rekapillarisierungszeit.

LeitlinienaussageESICM 2025

Erweitertes HZV-Monitoring (TPTD oder Pulmonaliskatheter) ist bei Patienten mit Schock ohne Ansprechen auf die Initialtherapie zu erwägen, insbesondere mit begleitendem ARDS oder bei unklarem Schocktyp. Zusätzlich wird die Echokardiographie zur Typisierung genutzt.

Quellen: S3-Leitlinie „Intravasale Volumentherapie beim Erwachsenen“ (AWMF 001-020, Stand 2020; Gültigkeit 07/2025 abgelaufen, in Überarbeitung). Surviving Sepsis Campaign 2021 (Evans et al., Intensive Care Med / Crit Care Med). ESICM Guidelines on circulatory shock and hemodynamic monitoring 2025 (Intensive Care Med). Bei Widerspruch gilt die jeweils neueste Fassung. Die genauen Empfehlungsgrade vor dem Deployment am Original prüfen.

Limitationen & Kontraindikationen

Pflege & BeachtungspunkteKatheter · Messqualität · Sicherheit
Parameter-LegendeKurz erklärt · tippen zum Aufklappen
Fluss
HI / PCHIHerzleistung pro m² (Pumpfluss)
SVISchlagvolumen pro Herzschlag
MAPPerfusionsdruck
Vorlast
GEDIFüllung aller 4 Herzhöhlen
SVV / PPVVolumenreagibilität
Lunge
ELWILungenwasser (Ödem)
PVPIÖdemursache: Leck oder Druck
Herz & Gefäße
GEF / CFIKontraktilität
SVRIGefäßwiderstand (Nachlast)
↑ erhöht↓ erniedrigtn normal