Erweitertes hämodynamisches Monitoring mit TPTD = Transpulmonale Thermodilution. Ein kalter Indikator wird zentralvenös injiziert. Er passiert rechtes Herz, Lunge und linkes Herz. Ein arterieller Thermistor zeichnet den Temperaturverlauf auf (Thermodilutionskurve). Aus dieser Kurve werden HZV und Volumina berechnet. und kontinuierlicher Pulskonturanalyse: Aufbau, Messung Schritt für Schritt, alle Parameter mit Normwerten und die Einordnung nach Leitlinien.
+Tipp: Der Button „Checkliste“ oben rechts ist auf der ganzen Seite erreichbar. Auf eine Kategorie tippen, dann klappt sie auf. Begriffe mit i antippen für eine Definition.
PiCCO = Pulse index Contour Continuous Cardiac Output. Das System (Getinge/Pulsion) kombiniert zwei Verfahren: die intermittierende transpulmonale Thermodilution, die als Kalibrierung dient, und die kontinuierliche arterielle Pulskonturanalyse. verbindet zwei Messprinzipien:
Transpulmonale Thermodilution (intermittierend): Ein Bolus kalter Kochsalzlösung wird über den ZVK gegeben. Die arterielle Temperaturkurve liefert nach Stewart-Hamilton-Gleichung: Das HZV ist umgekehrt proportional zur Fläche unter der Thermodilutionskurve. Eine kleine Fläche (schnelle, flache Kurve) bedeutet ein hohes HZV, eine große Fläche ein niedriges. das HZV = Herzzeitvolumen (engl. Cardiac Output, CO). Blutvolumen, das das Herz pro Minute auswirft: Schlagvolumen × Herzfrequenz, in l/min. Auf die Körperoberfläche bezogen heißt es Herzindex (HI). sowie die Volumenparameter GEDV, ITBV und EVLW.
Pulskonturanalyse (kontinuierlich): Aus der Form der arteriellen Druckkurve (Fläche unter dem systolischen Anteil) berechnet das Gerät Schlag für Schlag das Schlagvolumen. Voraussetzung ist die Kalibrierung durch die Thermodilution.
Benötigte Zugänge
Arterieller Thermodilutionskatheter: Standard ist die A. femoralis, alternativ A. axillaris oder A. brachialis (längere Katheter). Der Katheter misst den Druck und hat an der Spitze einen Thermistor. Eine A. radialis ist für die TPTD zu peripher.
ZVK = Zentraler Venenkatheter. Die Spitze liegt idealerweise in der V. cava superior vor dem rechten Vorhof (Zugang über V. jugularis interna oder V. subclavia). im Einzugsgebiet der V. cava superior: Am Injektionsschenkel (meist distal) wird das Temperatursensor-Gehäuse für das Injektat angeschlossen.
Femoraler ZVK: Wenn nicht anders möglich, ist er nutzbar. Der Injektionsort muss im Gerät eingestellt werden, weil GEDI/ITBI sonst systematisch überschätzt werden (zusätzliches Volumen der V. cava inferior).
Messstrecke. Der Kältebolus durchläuft alle Herzhöhlen und die Lunge. Aus der mittleren Durchgangszeit und der exponentiellen Abfallzeit der Kurve werden ITTV und PTV berechnet. Daraus ergeben sich GEDV (= ITTV − PTV) und EVLW.
Animation · Weg des Kältebolus
Mit Start abspielen oder die Karten unter der Grafik wischen: Der Bolus folgt der Wischbewegung.
ZVK (V. jugularis int. → V. cava sup.)Arterieller Thermodilutionskatheter (A. femoralis)Kältebolus (15 ml NaCl 0,9 % < 8 °C)
Vorgehen Schritt für SchrittVorbereitung · Thermodilution · Kalibrierung›
Ablauf einer Thermodilutionsmessung
Setup prüfen: Arterielles Drucksystem gespült und frei von Luft, Kurve nicht gedämpft. Thermistorkabel und Injektat-Temperatursensor am ZVK-Schenkel angeschlossen.
Nullabgleich: Druckaufnehmer auf Höhe des rechten Vorhofs (phlebostatische Achse) bringen und gegen Atmosphäre abgleichen.
Patientendaten eingeben:Größe, Gewicht, Geschlecht und die Katheterlage (arteriell und venös, femoral oder jugulär). Das Gerät indiziert auf BSA = Body Surface Area, Körperoberfläche in m². Grundlage für Flussindizes wie HI und SVI sowie für Volumenindizes wie GEDI und ITBI. bzw. auf PBW = Predicted Body Weight, das Sollgewicht nach Größe und Geschlecht. Auf das PBW wird der ELWI indiziert, damit Adipositas das Lungenwasser nicht künstlich verkleinert.. Fehleingaben verfälschen alle Indizes.
Injektat vorbereiten: In der Regel 15 ml NaCl 0,9 %, gekühlt (< 8 °C) beim Erwachsenen. Das Volumen richtet sich nach Körpergewicht und EVLW gemäß Gerätevorgabe. Bei hohem Lungenwasser ist eher mehr Volumen nötig, damit das Temperatursignal ausreicht.
Ruhephase abwarten: Das Gerät zeigt „stabil“ an. Keine Manipulation am Patienten, keine Boli über andere Schenkel und möglichst keine Umlagerung.
Bolus injizieren:Zügig und gleichmäßig in einem Zug (wenige Sekunden). Der Zeitpunkt im Atemzyklus ist frei, sollte aber einheitlich sein.
Wiederholen:3 Messungen innerhalb von etwa 10 Minuten. Ausreißer und Kurven mit schlechter Form verwerfen. Der Mittelwert kalibriert automatisch die Pulskontur.
Plausibilität prüfen: Kurvenform ansehen (glatter Anstieg, exponentieller Abfall). Abweichung der Einzelwerte untereinander grob < 10–15 %. Die Werte müssen zum klinischen Bild passen.
Dokumentieren und bewerten: Werte, Uhrzeit, Katecholamine und Beatmung festhalten. Den Arzt informieren, wenn Zielbereiche verlassen werden.
Wann (re-)kalibrieren?
Routinemäßig: nach Hersteller mindestens alle 8 Stunden, bei Instabilität häufiger.
Außerplanmäßig: nach relevanten Änderungen (Volumengabe, Katecholamine gestartet oder stark verändert, PEEP-Änderung, Lagerung), bei unklarem Wert oder deutlicher Diskrepanz zur Klinik.
Hintergrund: Ändert sich der Gefäßtonus (Compliance, Widerstand), driftet die Pulskontur-Berechnung. Das PCHI ist dann nur so gut wie die letzte Kalibrierung.
CAVE Störfaktoren: Laufende Infusionen über den Injektionsschenkel pausieren (nicht die Katecholamine!). Die Katecholamine über einen separaten Schenkel führen, damit kein Bolus entsteht. Bei CRRT = Continuous Renal Replacement Therapy, kontinuierliche Nierenersatztherapie (z. B. CVVHD). Liegen Rückgabe- oder Dialysekatheter nahe der Injektionsstelle, kann ein Teil des Kältebolus abgesaugt werden. die Lage des Dialysekatheters beachten und nach Hausstandard vorgehen.
Die Normwerte für Erwachsene stammen aus den Herstellerangaben (Getinge/Pulsion). Sie dienen der Orientierung und sind keine Zielwerte. Zielbereiche legt der Arzt individuell fest.
Beispielwerte im Normbereich · Kachel antippen springt zur Erklärung
HI / PCHI — Herzindex
HI ist das HZV aus der Thermodilution, bezogen auf die Körperoberfläche. Er ist eine Momentaufnahme. PCHI (Pulskontur-Herzindex) ist der daraus kalibrierte, kontinuierliche Wert, der Schlag für Schlag aus der arteriellen Kurve berechnet wird.
HI / PCHI [l/min/m²]Bedeutung
> 5,0Hyperdynam, z. B. bei Sepsis, Fieber oder Anämie
3,0–5,0Normbereich
2,2–2,9Eingeschränkter Fluss: Vorlast und Kontraktilität prüfen
< 2,2Low-Output · Arzt informieren
PCHI = PCHZV / BSA · wird nach jeder Kalibrierung neu gesetzt
Begriffe:PCHZV = Pulscontur-Herzzeitvolumen in l/min. Das HZV wird kontinuierlich aus der arteriellen Druckkurve berechnet und dabei an der letzten Thermodilution kalibriert.BSA = Body Surface Area, die Körperoberfläche in m². Das Gerät berechnet sie aus Größe und Gewicht. Sie ist die Grundlage aller Indizes mit der Einheit „/m²“.
SVI — Schlagvolumenindex
Auswurf pro Herzschlag, bezogen auf die Körperoberfläche. Er hängt von Vorlast, Kontraktilität und Nachlast ab. Steigt der SVI nachPLR = Passive Leg Raising. Der Patient wird aus halbsitzender Position flach gelagert, die Beine werden um 45° angehoben. Das mobilisiert etwa 300 ml Eigenblut aus den Beinen und dem Bauchraum. Steigt der kontinuierlich gemessene SVI bzw. PCHI innerhalb von etwa 1 Minute um ≥ 10 %, ist der Patient volumenreagibel. Der Test ist reversibel und kommt ohne Infusion aus.oder Volumengabe um ≥ 10 %, ist der Patient volumenreagibel.
SVI [ml/m²]Bedeutung
> 60Erhöht, z. B. hyperdynamer Kreislauf oder Bradykardie
40–60Normbereich
< 40Vermindert: Volumenmangel oder Pumpschwäche
SVI = HI / HF
Begriffe:HI = Herzindex in l/min/m². Das HZV geteilt durch die Körperoberfläche, damit Patienten unterschiedlicher Größe vergleichbar sind.HF = Herzfrequenz in Schlägen pro Minute.
CPI — Cardiac Power Index
Die hydraulische Pumpleistung des Herzens, berechnet aus Fluss und Druck. Im kardiogenen Schock ist ein niedriger Wert prognostisch ungünstig.
Begriffe:MAP = Mean Arterial Pressure, der mittlere arterielle Druck in mmHg. Er ist der treibende Druck für die Organperfusion.HI = Herzindex in l/min/m². Das HZV geteilt durch die Körperoberfläche, damit Patienten unterschiedlicher Größe vergleichbar sind.0,0022 ist ein Umrechnungsfaktor. Er wandelt das Produkt aus mmHg und l/min in die Leistungseinheit Watt um (≈ 1/451).
GEDI — Global enddiastolischer Volumenindex
Die Summe der enddiastolischen Volumina aller vier Herzhöhlen. Der GEDI ist ein volumetrischer Vorlastparameter und hängt, anders als der ZVD, nicht vom Druck ab.
GEDI [ml/m²]Bedeutung
> 800Volumenüberladung oder dilatiertes Herz
680–800Normbereich
< 680Volumenmangel möglich
GEDV = ITTV − PTV · GEDI = GEDV / BSA
Begriffe:GEDV = Global enddiastolisches Volumen in ml. Das ist die absolute Blutmenge in allen vier Herzhöhlen am Ende der Diastole. Auf die Körperoberfläche bezogen heißt der Wert GEDI (ml/m²).ITTV = Intrathorakales Thermovolumen. Das ist das gesamte Volumen, in dem sich der Kältebolus zwischen ZVK und arteriellem Messort verteilt (Herz, Lungenblut und Lungenwasser). Berechnet wird es als HZV × mittlere Durchgangszeit (MTt).PTV = Pulmonales Thermovolumen. Das ist die größte Mischkammer der Messstrecke, also die Lunge mit Blut und Lungenwasser. Berechnet wird es als HZV × exponentielle Abfallzeit der Kurve (DSt).BSA = Body Surface Area, die Körperoberfläche in m². Das Gerät berechnet sie aus Größe und Gewicht. Sie ist die Grundlage aller Indizes mit der Einheit „/m²“.
CAVE GEDI: Bei femoraler ZVK-Injektion ist der Wert falsch hoch, deshalb die Korrektur im Gerät einstellen. Auch große Aortenaneurysmen, Klappeninsuffizienzen und eine dilatative Kardiomyopathie verfälschen ihn. Als statischer Parameter sagt der GEDI Volumenreagibilität nur begrenzt voraus.
ITBI — Intrathorakaler Blutvolumenindex
Der ITBI ist die auf die Körperoberfläche bezogene Form des ITBV. Das ITBV setzt sich aus GEDV und pulmonalem Blutvolumen zusammen. Weil er rechnerisch aus dem GEDV abgeleitet wird, bringt er kaum zusätzliche Information.
ITBI [ml/m²]Bedeutung
> 1000Volumenüberladung
850–1000Normbereich
< 850Volumenmangel möglich
ITBV ≈ 1,25 × GEDV
Begriffe:ITBV = Intrathorakales Blutvolumen in ml. Das ist das Blut in den vier Herzhöhlen (GEDV) plus das Blut in den Lungengefäßen (PBV), näherungsweise 1,25 × GEDV. Nicht dasselbe wie ITBI: Das ITBV ist der absolute Wert in ml, der ITBI ist das ITBV geteilt durch die Körperoberfläche (ml/m²).GEDV = Global enddiastolisches Volumen in ml. Das ist die absolute Blutmenge in allen vier Herzhöhlen am Ende der Diastole. Auf die Körperoberfläche bezogen heißt der Wert GEDI (ml/m²).
SVV / PPV — Schlagvolumen- & Pulsdruckvariation
Die atemabhängige Schwankung von Schlagvolumen bzw. Pulsdruck unter Überdruckbeatmung. Beide sind dynamische Vorlastparameter.
SVV / PPV [%]Bedeutung
> 10–13Volumenreagibilität wahrscheinlich
≤ 10Normbereich · Volumenreagibilität eher unwahrscheinlich
SVV = (SVmax − SVmin) / SVmittel × 100
Begriffe:SV = Schlagvolumen in ml. Das Blutvolumen, das der linke Ventrikel pro Herzschlag auswirft.SVmax / SVmin / SVmittel sind das größte, kleinste und mittlere Schlagvolumen innerhalb eines gleitenden Zeitfensters von etwa 30 Sekunden (mehrere Atemzyklen).
Nur gültig bei: kontrollierter Beatmung ohne Spontanatmung, Sinusrhythmus, Tidalvolumen ≥ 8 ml/kg PBW = Predicted Body Weight, das Sollgewicht. Es errechnet sich aus Größe und Geschlecht: Männer 50 + 0,91 × (Größe in cm − 152,4), Frauen 45,5 + 0,91 × (Größe in cm − 152,4). Weil Fettgewebe kein Lungenwasser enthält, wird auf das Soll- statt auf das Istgewicht indiziert. Sonst würde das Lungenwasser bei Adipositas künstlich klein erscheinen. und geschlossenem Thorax. Bei lungenprotektiver Beatmung mit 6 ml/kg ist die Aussage eingeschränkt. Dann eher PLR oder einen Tidal-Volume-Challenge nutzen.
ELWI — Extravaskulärer Lungenwasserindex
Die Flüssigkeit außerhalb der Lungengefäße (interstitiell und alveolär), bezogen auf das PBW = Predicted Body Weight, das Sollgewicht. Es errechnet sich aus Größe und Geschlecht: Männer 50 + 0,91 × (Größe in cm − 152,4), Frauen 45,5 + 0,91 × (Größe in cm − 152,4). Weil Fettgewebe kein Lungenwasser enthält, wird auf das Soll- statt auf das Istgewicht indiziert. Sonst würde das Lungenwasser bei Adipositas künstlich klein erscheinen.. Der ELWI quantifiziert ein Lungenödem direkt am Bett. Ein hoher Wert ist mit höherer Letalität verbunden und markiert die Sicherheitsgrenze der Volumentherapie.
Begriffe:EVLW = Extravaskuläres Lungenwasser in ml. Das ist die absolute Flüssigkeitsmenge außerhalb der Lungengefäße. Auf das PBW bezogen heißt der Wert ELWI (ml/kg).ITTV = Intrathorakales Thermovolumen. Das ist das gesamte Volumen, in dem sich der Kältebolus zwischen ZVK und arteriellem Messort verteilt (Herz, Lungenblut und Lungenwasser). Berechnet wird es als HZV × mittlere Durchgangszeit (MTt).ITBV = Intrathorakales Blutvolumen in ml. Das ist das Blut in den vier Herzhöhlen (GEDV) plus das Blut in den Lungengefäßen (PBV), näherungsweise 1,25 × GEDV. Nicht dasselbe wie ITBI: Das ITBV ist der absolute Wert in ml, der ITBI ist das ITBV geteilt durch die Körperoberfläche (ml/m²).PBW = Predicted Body Weight, das Sollgewicht. Es errechnet sich aus Größe und Geschlecht: Männer 50 + 0,91 × (Größe in cm − 152,4), Frauen 45,5 + 0,91 × (Größe in cm − 152,4). Weil Fettgewebe kein Lungenwasser enthält, wird auf das Soll- statt auf das Istgewicht indiziert. Sonst würde das Lungenwasser bei Adipositas künstlich klein erscheinen.
PVPI — Pulmonalvaskulärer Permeabilitätsindex
Das Verhältnis von Lungenwasser zu pulmonalem Blutvolumen. Er ist nur bei erhöhtem ELWI aussagekräftig und unterscheidet dann die Ursache des Ödems.
PVPIBedeutung (bei ELWI ↑)
> 3,0Permeabilitätsödem, z. B. ARDS oder Sepsis
1,0–3,0Hydrostatisches Ödem: Volumenüberladung oder Linksherzversagen
PVPI = EVLW / PBV (PBV ≈ 0,25 × GEDV)
Begriffe:EVLW = Extravaskuläres Lungenwasser in ml. Das ist die absolute Flüssigkeitsmenge außerhalb der Lungengefäße. Auf das PBW bezogen heißt der Wert ELWI (ml/kg).PBV = Pulmonales Blutvolumen. Das Blut in den Lungengefäßen, näherungsweise 0,25 × GEDV.GEDV = Global enddiastolisches Volumen in ml. Das ist die absolute Blutmenge in allen vier Herzhöhlen am Ende der Diastole. Auf die Körperoberfläche bezogen heißt der Wert GEDI (ml/m²).
GEF — Globale Ejektionsfraktion
Der Anteil des Schlagvolumens (×4 Herzhöhlen) am GEDV. Die GEF ist ein Kontraktilitätsmarker. Ist sie niedrig bei hohem GEDI, spricht das für eine eingeschränkte Pumpfunktion. Dann eine Echokardiographie erwägen.
GEF [%]Bedeutung
25–35Normbereich
< 25Eingeschränkte Kontraktilität · Echo erwägen
GEF = 4 × SV / GEDV
Begriffe:SV = Schlagvolumen in ml. Das Blutvolumen, das der linke Ventrikel pro Herzschlag auswirft.GEDV = Global enddiastolisches Volumen in ml. Das ist die absolute Blutmenge in allen vier Herzhöhlen am Ende der Diastole. Auf die Körperoberfläche bezogen heißt der Wert GEDI (ml/m²).
CFI — Kardialer Funktionsindex
Der Herzindex bezogen auf das enddiastolische Volumen. Wie die GEF zeigt er die Kontraktilität an.
CFI [1/min]Bedeutung
4,5–6,5Normbereich
< 4,5Eingeschränkte Kontraktilität
CFI = HI / GEDI
Begriffe:HI = Herzindex in l/min/m². Das HZV geteilt durch die Körperoberfläche, damit Patienten unterschiedlicher Größe vergleichbar sind.GEDI = Global enddiastolischer Volumenindex. Das ist der GEDV geteilt durch die BSA, Norm 680–800 ml/m².
dPmx — Linksventrikuläre Kontraktilität
Die maximale Druckanstiegsgeschwindigkeit der arteriellen Kurve. Sie eignet sich nur als Trend, weil sie von Nachlast und Messort abhängt.
dPmx [mmHg/s]Bedeutung
> 2000Erhöht, z. B. unter Inotropika oder bei Hyperdynamik
1200–2000Normbereich
< 1200Eingeschränkte Kontraktilität möglich
SVRI — Systemischer Gefäßwiderstandsindex
Die rechnerische Nachlast des linken Ventrikels.
SVRI [dyn·s·cm⁻⁵·m²]Bedeutung
> 2400Vasokonstriktion: kardiogener oder hypovolämer Schock, Vasopressoren
1700–2400Normbereich
< 1700Vasoplegie, z. B. septischer Schock
SVRI = (MAP − ZVD) × 80 / HI
Begriffe:MAP = Mean Arterial Pressure, der mittlere arterielle Druck in mmHg. Er ist der treibende Druck für die Organperfusion.ZVD = Zentraler Venendruck in mmHg, gemessen über den ZVK. Er ist nur Rechengröße für den SVRI und kein Vorlastparameter zur Volumensteuerung.80 ist ein Umrechnungsfaktor. Er wandelt mmHg·min/l in die Widerstandseinheit dyn·s·cm⁻⁵ um.HI = Herzindex in l/min/m². Das HZV geteilt durch die Körperoberfläche, damit Patienten unterschiedlicher Größe vergleichbar sind.
Hinweis: Einzelwerte nie isoliert bewerten. Aussagekräftig werden sie erst im Trend und in der Reaktion auf eine Intervention (siehe Interpretation).
Die Werte werden systematisch in Fragen gelesen, nie einzeln. Der Trend und die Reaktion auf eine Intervention zählen mehr als ein Einzelwert.
Reicht der Fluss? HI/PCHI im Kontext von MAP = Mean Arterial Pressure, mittlerer arterieller Druck. Übliches Initialziel im septischen Schock sind ≥ 65 mmHg (individuell anpassen)., Laktat, Rekapillarisierungszeit, ScvO₂, Urinausscheidung und Vigilanz bewerten. Es gibt keinen „richtigen“ HI für alle.
Ist der Patient volumenreagibel? Hinweise geben SVV/PPV (wenn gültig), ein niedriger GEDI und vor allem ein SV/HI-Anstieg imPLR = Passive Leg Raising. Aus halbsitzender Position wird der Oberkörper flach gelagert und die Beine um 45° angehoben. Das mobilisiert etwa 300 ml Eigenblut. Steigen HI/SV kontinuierlich gemessen um ≥ 10 %, ist der Patient volumenreagibel. Der Test ist reversibel und kommt ohne Infusion aus. oder nach einer Volumengabe. Die PCHI-Kurve zeigt das in Echtzeit.
Ist Volumen sicher? Bei einem ELWI > 10 ml/kg ist das Lungenödem bereits relevant. Dann ist Volumen nur noch mit strenger Indikation vertretbar. Der PVPI zeigt die Ursache (Permeabilität oder Hydrostatik).
Ist das Herz das Problem? Eine niedrige GEF bzw. ein niedriger CFI bei ausreichendem GEDI spricht für eine eingeschränkte Kontraktilität. Dann Echokardiographie und ggf. Inotropika nach ärztlicher Anordnung.
Nachlast: Ein niedriger SVRI mit niedrigem MAP spricht für Vasoplegie (Vasopressor). Ein hoher SVRI mit niedrigem HI spricht für Low-Output mit Kompensation.
Hersteller-Entscheidungsbaum: Getinge/Pulsion bietet einen Therapiealgorithmus an (HI → Vorlast → ELWI → GEF). Er ist eine Denkstruktur, keine Leitlinienempfehlung. Für die Therapieentscheidung gelten die unten genannten Leitlinien und die ärztliche Anordnung.
Schock ohne Ansprechen auf die Initialtherapie: wenn Volumen und Vasopressor nicht ausreichen oder der Schocktyp unklar bleibt.
Schock mit ARDS bzw. Lungenödem: wenn die Volumentherapie gegen das Lungenwasser abgewogen werden muss (ELWI, PVPI).
Komplexe Katecholamintherapie: gemischte Schockformen, Steuerung von Inotropika und Vasopressoren.
Großer Volumenumsatz: z. B. Verbrennung, Pankreatitis, große Chirurgie.
EmpfehlungS3 Volumentherapie 2020
Der ZVD soll nicht zur Steuerung der Volumentherapie verwendet werden. Stattdessen sind dynamische Parameter bzw. flussbasierte Verfahren (z. B. PLR mit HZV-Messung) zu bevorzugen.
Schwache EmpfehlungSSC 2021
Zur Steuerung der Volumengabe sollen dynamische Parameter (PLR, SV-/PPV-Variation) statt körperlicher Untersuchung oder statischer Werte allein genutzt werden. Dazu kommt die Steuerung über Laktat und die Rekapillarisierungszeit.
LeitlinienaussageESICM 2025
Erweitertes HZV-Monitoring (TPTD oder Pulmonaliskatheter) ist bei Patienten mit Schock ohne Ansprechen auf die Initialtherapie zu erwägen, insbesondere mit begleitendem ARDS oder bei unklarem Schocktyp. Zusätzlich wird die Echokardiographie zur Typisierung genutzt.
Quellen: S3-Leitlinie „Intravasale Volumentherapie beim Erwachsenen“ (AWMF 001-020, Stand 2020; Gültigkeit 07/2025 abgelaufen, in Überarbeitung). Surviving Sepsis Campaign 2021 (Evans et al., Intensive Care Med / Crit Care Med). ESICM Guidelines on circulatory shock and hemodynamic monitoring 2025 (Intensive Care Med). Bei Widerspruch gilt die jeweils neueste Fassung. Die genauen Empfehlungsgrade vor dem Deployment am Original prüfen.
Limitationen & Kontraindikationen
Pulskontur unzuverlässig: bei Arrhythmien (Vorhofflimmern), IABP = Intraaortale Ballonpumpe. Sie verändert die arterielle Druckkurve, deshalb ist die Pulskonturanalyse dann nicht verwertbar., gedämpfter oder überschwingender Kurve und bei raschen Änderungen des Gefäßtonus ohne Rekalibrierung.
Thermodilution verfälscht: bei intrakardialen Shunts, relevanter Klappeninsuffizienz (v. a. Aorten-/Trikuspidalinsuffizienz), Aortenaneurysma, Pneumonektomie, großer Lungenembolie (ELWI falsch niedrig) und extrakorporalen Verfahren (ECMO = Extracorporeal Membrane Oxygenation. Der Kältebolus geht teilweise in den extrakorporalen Kreislauf verloren. Thermodilutionswerte sind daher nicht valide.).
Katheterbezogen: Kontraindikationen gelten wie bei jeder arteriellen Punktion (schwere pAVK, Gefäßprothese femoral, Infektion an der Punktionsstelle). Komplikationen sind Blutung, Ischämie, Thrombose und Infektion.