In Entwicklung · Intensivstation

COPD

Akute Exazerbation (AECOPD) am ICU-Bett — kompakt und handlungsorientiert: Pflege, Sekretmanagement und Beatmung.

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Überblick & ExazerbationWas ist eine AECOPD?

Die akute Exazerbation der COPD (AECOPD) ist eine über das normale Maß hinausgehende, anhaltende Verschlechterung der respiratorischen Symptome, die eine Anpassung der Therapie erfordert.

Leitsymptome

Häufige Auslöser & Differenzialdiagnosen

Therapiesäulen

O₂-Ziel SpO₂ 88–92 %. Unkontrollierte Sauerstoffgabe kann bei COPD die Hyperkapnie verstärken (V/Q-Mismatch, Haldane-Effekt, Atemantrieb) — kontrolliert titrieren statt „so viel wie möglich".
PflegeLagerung · Atemerleichterung · Überwachung

Lagerung & Atemerleichterung

Sauerstoff & Monitoring

Weitere Pflegeschwerpunkte

SekretmanagementMobilisieren · abtransportieren · beurteilen

Ziel: zähes Bronchialsekret mobilisieren und abtransportieren, um Atemwegsobstruktion, Atelektasen und Infektprogression zu vermeiden.

Sekretolyse & Mobilisation

Absaugen

Sekret beurteilen & dokumentieren

Forcierte Klopfmassage ist nicht routinemäßig indiziert — individuell und nach Hausstandard einsetzen.
BeatmungNIV zuerst · invasiv bei Versagen

NIV — Therapie der ersten Wahl

Nicht-invasive Beatmung (NIV) ist bei AECOPD mit respiratorischer Azidose (pH < 7,35 und pCO₂ ↑) trotz optimaler medikamentöser Therapie Mittel der ersten Wahl — sie senkt Intubationsrate und Mortalität.

Starke EmpfehlungS3 Invasive Beatmung 2025 · E8

Bei akutem hyperkapnischen Versagen aufgrund einer schweren COPD-Exazerbation mit pH < 7,35 soll ein Therapieversuch mit NIV durchgeführt werden.

Abzugrenzen: Die Empfehlung gilt für die AECOPDnicht für Asthma bronchiale oder andere Obstruktionen (dort nur schwache/offene Empfehlungen). Für HFNO bei hyperkapnischem Versagen gibt die Leitlinie mangels Evidenz keine gesonderte Empfehlung.

NIV-Einstellung (Orientierung)

Verlaufskontrolle: BGA nach ca. 1(–2) h — der pH-/pCO₂-Trend entscheidet. Keine Besserung, zunehmende Erschöpfung oder Vigilanzminderung → Intubation erwägen.

Masken-Totraum & Volumen

Zwischen Patient und Ausatemventil liegt bei NIV ein zusätzliches Volumen (Maskeninnenraum + Schlauch) — der apparative bzw. Masken-Totraum. Er muss „überbrückt" werden: Das am Gerät erforderliche Tidalvolumen (VTE) ist bei NIV daher meist höher als bei invasiver Beatmung, um dasselbe effektive (alveoläre) Volumen zu erreichen — wo beim Tubus z. B. ~400 ml genügen, ist bei Maske ein Aufschlag nötig.

Deshalb nicht auf einen festen VTE-Wert einstellen, sondern nach Wirkung titrieren: Thoraxexkursion, VTE-Trend, pCO₂/pH und Komfort. Der genaue „Aufschlag" ist kein fixer Wert, sondern individuell (Maske, Sitz, Leckage). Bezug: Totraumventilation → Beatmung.

Toleranz & Compliance

NIV gelingt nur bei guter Mitarbeit — kritisch kranke, lufthungrige Patient:innen sind oft unruhig und maskenintolerant. Neben ruhiger Anleitung, gutem Maskensitz und schrittweisem Druckaufbau kann die Dyspnoe-/Angstkomponente gezielt gelindert werden. Bewährt haben sich kleine, titrierte Morphin-Boli.

Morphin1 mg/ml
Opioid · Dyspnoe-/Toleranzlinderung
DatumUhrzeitHZ
10 mg + 9 ml NaCl
→ 1 mg/ml
!Vorbereitung und Dosierung
Zubereitung: 1 Amp. Morphin 10 mg/1 ml + 9 ml NaCl 0,9 % auf 10 ml → 1 mg/ml (entspricht der Hausstandard-Konzentration). Vor Gabe Konzentration abgleichen.

Dosierung (Dyspnoe/Toleranz bei NIV): kleine Boli, langsam i.v., titriert nach Wirkung (Dyspnoe, Atemfrequenz, Toleranz) — Richtwert z. B. ~1–2 mg, Wiederholung nach Wirkung. Dosis nach ärztlicher Anordnung/Hausstandard.

CAVE: Atemdepression — besonders bei Hyperkapnie/CO₂-Retention (COPD!). Engmaschig überwachen: SpO₂, AF, Vigilanz, BGA-/pCO₂-Trend. Antidot Naloxon bereit. Das Opioid lindert Dyspnoe/Angst, behandelt aber nicht die Ursache — es darf eine nötige Intubation nicht verschleiern/verzögern.

Invasive Beatmung (bei NIV-Versagen)

Schwache EmpfehlungS3 Invasive Beatmung 2025 · E35

Bei invasiv beatmetem hyperkapnischen Versagen kann ein extrinsischer PEEP bis zu 85 % des intrinsischen (Auto-)PEEP angewendet werden — senkt Triggerarbeit und Atemarbeit, ohne die Überblähung zu verstärken.

Schwache EmpfehlungS3 Invasive Beatmung 2025 · E48

Bei exspiratorischer Flusslimitierung das I:E-Verhältnis so anpassen, dass bei ausreichendem Tidal-/Atemminutenvolumen eine möglichst lange Expirationsphase resultiert.

Quelle: S3-Leitlinie „Invasive Beatmung und Einsatz extrakorporaler Verfahren bei akuter respiratorischer Insuffizienz" (AWMF 001-021, Version 2.0, 08/2025). Empfehlungs­nummern (E…) dienen der Orientierung; maßgeblich bleiben Hausstandard, Gerätevorgaben und ärztliche Anordnung. Quellen & Leitlinien: Referenzen.
Alle Zahlen sind Orientierungswerte (Erwachsene). Verbindlich sind Hausstandard, Gerätevorgaben und die ärztliche Anordnung.