Maschinelle Beatmung am ICU-Bett: Modi, Einstellungsparameter und Konzepte.
+ Tipp: Auf eine Kategorie tippen → klappt direkt auf.
Patient:innen können sowohl druck- als auch volumenkontrolliert beatmet werden — die Leitlinie gibt keine Empfehlung für oder gegen eine der beiden Formen ab.
Frühzeitig (innerhalb 48 h nach Intubation) eine spontanatmungermöglichende Beatmung einsetzen — unabhängig von Ursache und Art der respiratorischen Insuffizienz.
Keine routinemäßige neuromuskuläre Blockade in der Frühphase (≤ 48 h) eines moderaten–schweren ARDS.
Bei mild–moderatem hypoxämischen Versagen (PaO₂/FiO₂ 100–300 mmHg): primär nicht-invasive Atmungsunterstützung (NIV, CPAP oder HFNO).
Bei schwerem hypoxämischen Versagen (PaO₂/FiO₂ < 100 mmHg): primär invasiv beatmen.
IBW/PBW = ideales Körpergewicht (aus Größe & Geschlecht), nicht das aktuelle Gewicht — dafür sind Tabellen/Formeln am Gerät hinterlegt.
Bei ARDS: Tidalvolumen um 6 ml/kg IBW und Plateaudruck ≤ 30 cmH₂O halten (lungenprotektiv).
Bei ARDS eine inspiratorische Druckdifferenz (Driving Pressure) ≤ 14 cmH₂O anstreben.
Bei invasiver Beatmung SaO₂/SpO₂ 92–96 % bzw. PaO₂ 70–90 mmHg anstreben — Hyperoxie wie Hypoxie vermeiden.
Zur Erreichung niedriger Volumina/Drücke eine permissive Hyperkapnie innerhalb definierter Grenzen zulassen.
Kernprinzip: kleine Tidalvolumina (~6 ml/kg IBW), Pplat ≤ 30, ΔP ≤ 14 cmH₂O, dazu ein an den ARDS-Schweregrad angepasster PEEP.
Höherer PEEP bei moderatem und schwerem ARDS.
Bei mildem ARDS orientierend die FiO₂/niedrig-PEEP-Tabelle des ARDS-Netzwerks; bei moderatem/schwerem ARDS den PEEP mit bettseitigen Methoden individualisieren.
| FiO₂ | 0,3 | 0,4 | 0,4 | 0,5 | 0,5 | 0,6 | 0,7 | 0,7 | 0,7 | 0,8 | 0,9 | 0,9 | 0,9 | 1,0 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| PEEP | 5 | 5 | 8 | 8 | 10 | 10 | 10 | 12 | 14 | 14 | 14 | 16 | 18 | 18–24 |
| FiO₂ | 0,3 | 0,3 | 0,3 | 0,3 | 0,3 | 0,4 | 0,4 | 0,5 | 0,5 | 0,5–0,8 | 0,8 | 0,9 | 1,0 | 1,0 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| PEEP | 5 | 8 | 10 | 12 | 14 | 14 | 16 | 16 | 18 | 20 | 22 | 22 | 22 | 24 |
Ziel: PaO₂ 55–80 mmHg bzw. SpO₂ 88–95 %. Die Tabellen koppeln FiO₂ und PEEP paarweise — steigt der O₂-Bedarf, werden beide Werte gemeinsam nach rechts geführt. Sie sind eine einfache Orientierung, kein Ersatz für die individuelle Atemmechanik.
Keine prolongierten (≥ 60 s) und keine routinemäßigen kurzen (< 60 s) Rekrutierungsmanöver.
Bei Obstruktion (COPD, Asthma) droht durch verkürzte Expiration Air Trapping mit intrinsischem PEEP (Auto-PEEP) und dynamischer Überblähung.
Bei hyperkapnischem Versagen extrinsischen PEEP bis 85 % des intrinsischen PEEP anwenden — senkt Trigger-/Atemarbeit ohne zusätzliche Überblähung.
Als Totraum bezeichnet man das ventilierte Volumen, das nicht am Gasaustausch teilnimmt:
Einteilung nach WIND-Klassifikation; bei > 24 h Beatmung ein Weaning-Protokoll mit strukturierter Readiness-Prüfung und Spontanatemversuch (SBT) anwenden.
Kapnometrie/-grafie bei jeder Intubation zur Kontrolle der Tubuslage (endtracheal vs. ösophageal).
Oberkörperhochlagerung ≥ 40° bei intubierten Patient:innen (VAP-Prävention), unter Abwägung von Hämodynamik und Druckulkus-Risiko.
Die Sauerstoffbindungskurve beschreibt, wie stark Hämoglobin bei einem gegebenen Sauerstoffpartialdruck (pO₂) mit O₂ gesättigt ist. Ihr S-förmiger Verlauf sorgt dafür, dass O₂ in der Lunge gut aufgenommen und im Gewebe gut abgegeben wird. Verschiedene Faktoren verschieben die Kurve nach links oder rechts und verändern damit die O₂-Affinität des Hb.
Rechtsverschiebung = geringere O₂-Affinität des Hämoglobins. Das Hb hält den Sauerstoff „lockerer" — bei gleichem pO₂ ist die Sättigung niedriger, dafür wird O₂ leichter ans Gewebe abgegeben. Der halbsättigende Druck P₅₀ steigt (die Kurve wandert nach rechts).
Typische Auslöser sind Azidose, Fieber/Hyperthermie, Hyperkapnie (pCO₂ ↑) und ein Anstieg von 2,3-DPG (z. B. chronische Hypoxie, Anämie, Höhe). Der pH-/CO₂-Effekt heißt Bohr-Effekt: Im stoffwechselaktiven, sauren, warmen Gewebe wird gezielt mehr O₂ frei.
Klinisch: Eine Rechtsverschiebung verbessert die periphere O₂-Abgabe, kann aber die O₂-Aufnahme in der Lunge erschweren. Die Linksverschiebung (Alkalose, Hypothermie, Hypokapnie, niedriges 2,3-DPG, CO-/MetHb, fetales Hb) bindet O₂ fester → schlechtere Abgabe im Gewebe. Vorsicht: SpO₂/SO₂ und tatsächlicher O₂-Gehalt hängen zusätzlich von Hb-Wert und Lage der Kurve ab.