Intensivstation · Bedside-Referenz

Intensiv-Labor — Entscheidungshilfe

Kompakte Schnellinterpretation der relevanten Laborparameter. Referenzbereiche sind labor- und methodenabhängig (Richtwerte Erwachsene). Sektionen per Klick aufklappen — ganz ohne JavaScript.

Normbereich auffällig / Trend beachten kritisch / Notfall Entscheidungsschritt Merkhilfe / Muster
01Blutgasanalyse & Säure-Basen
Arterielle BGA — Normwerte
ParameterReferenzbereichmisst
pH7,35–7,45Säure-Basen-Status gesamt
pCO₂35–45 mmHgrespiratorische Komponente
pO₂80–100 mmHgOxygenierung
HCO₃⁻ (Std.)22–26 mmol/lmetabolische Komponente
BE−2 … +2 mmol/lBasenüberschuss/-defizit
SaO₂95–99 %O₂-Sättigung
Laktat0,5–2,0 mmol/lGewebeperfusion
Säure-Basen — Entscheidungsbaum (4 Schritte)
① pH bewerten
pH < 7,35Azidose
pH > 7,45Alkalose
pH normalevtl. kompensiert / gemischt → pCO₂ & HCO₃⁻ prüfen
② Ursache: respiratorisch oder metabolisch?
Azidose + pCO₂ > 45respiratorische Azidose
Hypoventilation, COPD, Sedierung, neuromuskulär
Azidose + HCO₃⁻/BE ↓metabolische Azidoseweiter zu ④
Alkalose + pCO₂ < 35respiratorische Alkalose
Hyperventilation, Schmerz, Angst, Sepsis-Frühphase, Höhe
Alkalose + HCO₃⁻/BE ↑metabolische Alkalose
Erbrechen / Magensonde, Diuretika, Hypokaliämie
③ Kompensation adäquat?
metab. Azidoseerwartetes pCO₂ ≈ 1,5 × HCO₃⁻ + 8 (±2) · Winters
resp. Azidoseakut: HCO₃⁻ +1 / chron.: +3,5 pro 10 mmHg pCO₂↑
Kompensation außerhalb des Erwartungswerts → gemischte Störung
④ Bei metabolischer Azidose: Anionenlücke
AL = Na⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻)·Norm 8–12 mmol/l
AL erhöht (> 12)Säurezufuhr
Laktat · Ketoazidose (DKA/Alkohol) · Urämie · Intox (Methanol, Ethylenglykol, Salicylat)
AL normalhyperchlorämisch
Diarrhö · renal-tubuläre Azidose · NaCl-Überladung
Merkhilfe Anionenlücke ↑Laktat · Ketone · Urämie · Toxine“ (KULT) — schnell die häufigsten Treiber der High-AG-Azidose abklopfen.
Laktat 0,5–2,0 mmol/l
2–4 mmol/lHypoperfusion / Stress / β-Mimetika — Trend & Clearance wichtiger als Einzelwert
> 4 mmol/lschwere Gewebehypoxie / Schock — Prognosemarker, Clearance <10 %/h ungünstig
02Elektrolyte
Natrium (Na⁺) 135–145 mmol/l
Hyponatriämie < 135Volumenstatus + Serumosmo prüfen (hypo/eu/hypervoläm, SIADH). Korrektur langsam < 8–10 mmol/24 h → Gefahr osmotische Demyelinisierung.
Hypernatriämie > 145Freies Wasserdefizit, Durstdefekt, osmot. Diurese. Langsam senken → Hirnödemrisiko.
Kalium (K⁺) 3,5–5,0 mmol/l
Hypokaliämie < 3,5U-Welle, Arrhythmieneigung, Digitalis-Toxizität. Mg gleichzeitig prüfen/substituieren.
Hyperkaliämie > 5,0EKG: hohe spitze T → breiter QRS → Sinuswelle. > 6,5 oder EKG-Veränderung = Notfall.
Calcium (ionisiert) 1,15–1,35 mmol/l gesamt 2,2–2,6
HypocalciämieQT ↑, Tetanie, Kribbeln. Häufig bei Citrat (Massentransfusion, regionale CVVH-Antikoagulation).
HypercalciämieQT ↓, Vigilanzminderung, Polyurie. Malignom, prim. Hyperparathyreoidismus.
Magnesium (Mg²⁺) 0,7–1,05 mmol/l
HypomagnesiämieArrhythmie, Torsade de pointes, therapierefraktäre Hypokaliämie.
HypermagnesiämieAreflexie, Hypotonie, Atemdepression (v. a. Niereninsuffizienz).
Phosphat 0,84–1,45 mmol/l
HypophosphatämieRefeeding-Syndrom, Muskel-/Atemschwäche, Weaning-Versagen.
HyperphosphatämieNiereninsuffizienz, Tumorlyse-Syndrom.
Chlorid (Cl⁻) 98–107 mmol/l
Treiber der Anionenlücke; ↑ bei hyperchlorämischer (NaCl-induzierter) metabolischer Azidose.
03Niere & Volumen
Kreatinin ♀ 0,5–0,9 · ♂ 0,7–1,2 mg/dl
Träger Marker (Kinetik!), muskelmasseabhängig — bei Sarkopenie/ICU oft falsch niedrig.
Harnstoff 10–50 mg/dl · GFR > 90 ml/min · Cystatin C 0,5–0,96 mg/l
Cystatin C muskelmasseunabhängig → bei kachektischen/ICU-Patienten verlässlicher. Harnstoff/Krea ↑ + FeNa < 1 % → prärenal (Volumenmangel); FeNa > 2 % → renal-parenchymatös.
Akutes Nierenversagen — KDIGO-Stadien
StadiumKreatininUrinausscheidung
1×1,5–1,9 Baseline · oder +0,3 mg/dl in 48 h< 0,5 ml/kg/h für 6–12 h
2×2,0–2,9 Baseline< 0,5 ml/kg/h für ≥ 12 h
3×3 · oder ≥ 4,0 mg/dl · oder Dialysebeginn< 0,3 ml/kg/h ≥ 24 h · oder Anurie ≥ 12 h
04Leber, Galle & Pankreas
Grundprinzip — 3 Fragen Leberwerte gehören zu drei Gruppen, die du immer getrennt liest: ① Schädigung (Enzyme aus zerstörten Zellen: AST, ALT, GLDH) · ② Abfluss/Cholestase (Stau in den Gallenwegen: AP, GGT, Bilirubin) · ③ Funktion/Synthese (was die Leber noch leistet: Albumin, Quick/INR, ChE). Ein erhöhter Enzymwert sagt „Zellen gehen kaputt“ — nicht, wie gut das Organ noch arbeitet.
AST / GOT ♂ < 50 · ♀ < 35 U/l Aspartat-Aminotransferase
Definition

Was: Enzym aus dem Zellinneren — sitzt in Leber, aber auch in Herz-, Skelettmuskel & Erythrozyten.

Anzeige: Zelluntergang allgemein, nicht leberspezifisch.

Warum: Schädigungsmarker; isolierte AST-Erhöhung immer auch an Muskel/Herz (CK, Troponin) und Hämolyse denken.

ALT / GPT ♂ < 50 · ♀ < 35 U/l Alanin-Aminotransferase
Definition

Was: Aminotransferase, die fast ausschließlich in der Leber vorkommt → der leberspezifischste der „Transaminasen“.

Anzeige: hepatozelluläre Schädigung.

Warum: Leitenzym, um eine Leberzellschädigung von einer Muskel-/Herzursache abzugrenzen.

De-Ritis-Quotient AST / ALT Mustererkennung
< 1leichte/akute Schädigung mit intakten Zellen — viral, medikamentös-toxisch, Steatose
> 1schwerer / chronischer Schaden (AST sitzt tief in den Mitochondrien) — Alkohol, Zirrhose; > 1 mit AST > 1000 → ischämische „Schockleber“
GLDH ♂ < 7 · ♀ < 5 U/l Glutamatdehydrogenase
Definition

Was: rein mitochondriales Enzym, sitzt zentral im Leberläppchen.

Anzeige: schwere, tiefe Leberzellnekrose (z. B. Hypoxie/Schockleber, toxisch).

Warum: hohe GLDH neben Transaminasen spricht für ausgedehnten, nicht nur oberflächlichen Schaden.

GGT (γ-GT) ♂ < 60 · ♀ < 40 U/l γ-Glutamyltransferase
Definition

Was: Enzym der Gallengangsepithelien, sehr sensibel.

Anzeige: Cholestase und Enzyminduktion (Alkohol, Medikamente).

Warum: empfindlichster Frühmarker einer Gallenabflussstörung; bestätigt, dass eine erhöhte AP aus der Leber (und nicht aus dem Knochen) stammt.

AP 35–105 U/l alkalische Phosphatase
Definition

Was: Enzym aus Gallengängen — aber auch aus Knochen, Darm, Plazenta.

Anzeige: Cholestase.

Warum: Stau-Marker. Faustregel: AP↑ + GGT↑ → hepatisch/biliär; AP↑ + GGT normal → an Knochen/Wachstum/Schwangerschaft denken.

Bilirubin gesamt < 1,2 mg/dl direkt/indirekt
Definition

Was: Abbauprodukt des Häm; indirekt (unkonjugiert) = vor der Leber, direkt (konjugiert) = nach Verstoffwechslung in der Leber.

Anzeige & Warum: Differenzierung indirekt/direkt verrät die Etage der Störung (siehe unten).

indirekt ↑ überwiegtprähepatisch — Hämolyse, ineffektive Erythropoese, Gilbert-Syndrom
direkt ↑ überwiegthepatisch/posthepatisch — Hepatozyten-Schaden oder Gallenwegsobstruktion (+ heller Stuhl, dunkler Urin)
Albumin 3,5–5,2 g/dl Syntheseparameter · HWZ ~20 d
Definition

Was: wichtigstes Plasmaprotein, ausschließlich in der Leber gebildet.

Anzeige: langfristige Syntheseleistung + onkotischer Druck.

Warum: niedrig bei chronischem Leberversagen — aber unspezifisch (auch Mangelernährung, Verlust, „capillary leak“ in der Sepsis). Lange Halbwertszeit → träge.

Cholinesterase (ChE / PChE) ~5–12 kU/l Syntheseparameter · schneller als Albumin
Definition

Was: ebenfalls in der Leber synthetisiertes Enzym, kürzere Halbwertszeit.

Anzeige: aktuelle Syntheseleistung.

Warum: sinkt bei Leberinsuffizienz schneller als Albumin; zusätzlich erniedrigt bei Vergiftung mit Organophosphaten / Insektiziden.

Quick / INR → siehe Gerinnung akutester Syntheseparameter
Definition

Warum hier: Gerinnungsfaktoren werden in der Leber gebildet und haben sehr kurze Halbwertszeiten (Faktor VII ~6 h). Ein steigender INR ist daher der schnellste Hinweis auf akutes Syntheseversagen — Kernkriterium beim akuten Leberversagen.

Ammoniak (NH₃) 11–35 µmol/l Entgiftungsfunktion
Definition

Was: Stickstoff-Abbauprodukt, das die gesunde Leber über den Harnstoffzyklus entgiftet.

Anzeige: Entgiftungsversagen.

Warum: steigt bei Leberversagen / portosystemischem Shunt und korreliert grob mit der hepatischen Enzephalopathie. Präanalytik wichtig (gekühlt, schnell ins Labor).

LDH < 250 U/l Laktatdehydrogenase · unspezifisch
Definition

Was: in nahezu allen Zellen vorhandenes Enzym.

Anzeige: Zelluntergang allgemein — Hämolyse, Tumorlyse, Infarkt, Muskelschaden.

Warum: unspezifisch, aber als Zusatzpuzzlestück nützlich (z. B. LDH↑ + indirektes Bilirubin↑ + Haptoglobin↓ → Hämolyse).

Lipase < 60 U/l Pankreas · Leitenzym
Definition

Was: fettspaltendes Enzym, fast ausschließlich aus dem exokrinen Pankreas.

Anzeige: akute Pankreatitis.

Warum: spezifischer und länger erhöht als Amylase → Leitenzym der Pankreasdiagnostik. Diagnose: > 3-fach über Norm + passende Klinik (Gürtelschmerz). Höhe korreliert nicht mit Schweregrad.

Amylase < 100 U/l Pankreas + Speicheldrüsen
Definition

Was: stärkespaltendes Enzym aus Pankreas und Speicheldrüsen.

Anzeige: Pankreatitis, aber unspezifischer.

Warum: steigt früher, fällt aber rascher; falsch ↑ bei Speicheldrüsenerkrankung, Niereninsuffizienz, Makroamylasämie. Heute meist nur ergänzend zur Lipase.

Muster auf einen Blick — Entscheidungsbaum
Welche der 3 Gruppen ist führend?
ALT/AST ↑↑ (GLDH/LDH ↑)① hepatozellulär
De-Ritis < 1 viral/toxisch · > 1 alkoholisch/Zirrhose · AST > 1000 → ischämische „Schockleber“
AP / GGT / Bilirubin ↑↑② cholestatisch
GGT bestätigt hepatische Herkunft · direktes Bilirubin → Obstruktion vs. Sepsis-Cholestase
Albumin ↓ · ChE ↓ · INR ↑③ Syntheseversagen
INR ist der schnellste Marker → akutes Leberversagen; Bilirubin + INR für Schweregrad
Ammoniak ↑Entgiftungsversagen
→ hepatische Enzephalopathie (Vigilanz prüfen)
Lipase > 3× NormPankreatitis
eigenes Organ — bei abdominellem Schmerz/Schock immer mitdenken
05Gerinnung
Grundprinzip — zwei Wege, ein Ziel Die Gerinnung läuft über zwei Aktivierungswege, die beide im gemeinsamen Endweg (→ Fibrin) münden. Quick/INR misst den extrinsischen Weg (Faktor VII), aPTT den intrinsischen Weg (VIII, IX, XI, XII). Daraus folgt die ganze Logik unten: welcher Test verlängert ist, verrät, welcher Weg gestört ist.
Quick / INR Quick 70–120 % · INR 0,8–1,2 extrinsischer Weg + Endstrecke
Definition

Was gemessen wird: Wie schnell Plasma nach Zugabe von Gewebethromboplastin (Faktor III) gerinnt — also der über Faktor VII gestartete extrinsische Weg plus die gemeinsame Endstrecke (X, V, II, Fibrinogen). Quick ist der Prozentwert gegen Normalplasma; der INR normiert diesen laborübergreifend (genau dafür erfunden), damit eine Cumarin-Therapie überall vergleichbar steuerbar ist.

Anzeige / warum: Faktor VII hat die kürzeste Halbwertszeit (~6 h) → der INR reagiert am schnellsten auf Lebersynthesestörung, Vitamin-K-Mangel und Cumarine (Vit-K-abhängig: II, VII, IX, X).

aPTT 26–36 s intrinsischer Weg + Endstrecke · activated Partial Thromboplastin Time
Definition

Was gemessen wird: Gerinnungszeit nach Aktivierung des intrinsischen Weges (ohne Gewebefaktor) — erfasst Faktoren XII, XI, IX, VIII plus gemeinsame Endstrecke.

Anzeige / warum: Standardmonitoring für unfraktioniertes Heparin (UFH); verlängert außerdem bei Hämophilie A/B (VIII/IX) und Lupus-Antikoagulans.

Cave: niedermolekulares Heparin (NMH) und DOAKs verändern die aPTT kaum — dafür Anti-Xa bzw. spezifische Tests.

Fibrinogen (Faktor I) 180–400 mg/dl Substrat der Gerinnung + Akutphase
Definition

Was: das Endsubstrat, das von Thrombin zu Fibrin vernetzt wird, zugleich Akutphaseprotein (steigt bei Entzündung).

Anzeige / warum: niedriges Fibrinogen = echter Mangel an „Baumaterial“ → Verbrauch (DIC), Verdünnung (Massivtransfusion), Lebersynthesestörung. Kritisch < 100–150 mg/dl bei Blutung → Substitution erwägen.

D-Dimere < 0,5 mg/l (FEU) Fibrin-Spaltprodukt
Definition

Was: Bruchstücke, die entstehen, wenn quervernetztes Fibrin von Plasmin wieder aufgelöst wird (Fibrinolyse). Ihr Nachweis beweist, dass irgendwo Gerinnsel gebildet und abgebaut wurden.

Anzeige / warum: Such-/Ausschlusstest für tiefe Venenthrombose & Lungenembolie.

negativ + niedrige VortestwahrscheinlichkeitTVT/LAE praktisch ausgeschlossen — hoher negativer prädiktiver Wert
positivunspezifisch — auf ICU fast immer ↑ (OP, Trauma, Sepsis, Niereninsuffizienz, Tumor, Schwangerschaft). Beweist keine Thrombose
Thrombozyten 150–400 /nl · AT III 80–120 %
Definition

Thrombozyten: primäre Hämostase (Plättchenpfropf).

Antithrombin III: körpereigener Hemmstoff — bei Mangel wirkt Heparin schlechter (Heparin braucht AT III als Kofaktor).

Auffälligkeit zuordnen — Entscheidungsbaum
Welcher Test ist verlängert?
nur INR ↑extrinsisch (Faktor VII)
Lebersynthese · Vitamin-K-Mangel · Cumarine
nur aPTT ↑intrinsisch
UFH-Heparin · Hämophilie A/B · Lupus-Antikoagulans
beide ↑Endstrecke / global
schwere Lebererkrankung · Massivtransfusion · DIC · hochdosiert Antikoagulation
Thrombo ↓ + Fibrinogen ↓ + D-Dimere ↑↑ + INR ↑Verbrauchskoagulopathie (DIC)
Sepsis, Trauma, geburtshilflich → Grunderkrankung behandeln
ICU-Cave Isolierter Thrombozytenabfall unter Heparin (Tag 5–10, Abfall > 50 %) → an HIT II denken (paradoxe Thrombosen). Bei Blutung sagt das klassische Gerinnungslabor wenig über die Funktion — Viskoelastometrie (ROTEM/TEG) ergänzt schneller.
06Blutbild
Hämoglobin ♀ 12–16 · ♂ 14–18 g/dl
ICU-Transfusionsschwelle meist restriktiv Hb < 7 g/dl (kardial/aktive Blutung < 8). Akute Blutung: Hb hinkt nach.
Hämatokrit ♀ 37–47 · ♂ 40–54 % · Leukozyten 4–10 /nl · Thrombozyten 150–400 /nl
Leuko < 4 / > 12SIRS-Kriterium; Linksverschiebung & stabkernige beachten
Thrombo ↓Verbrauch (DIC/Sepsis), HIT (Heparin!), Dilution, Splenomegalie
07Infektion & Sepsis
Marker — Normwerte & Kinetik
MarkerReferenzKinetik / Besonderheit
IL-6< 7 pg/mlsteigt am schnellsten (1–3 h), sehr früh
PCT< 0,5 ng/ml6–12 h, bakteriell-spezifisch
CRP< 5 mg/lträge, Peak 24–48 h
Leukozyten4–10 /nl< 4 oder > 12 = SIRS-Kriterium
Procalcitonin — Einordnung
PCT (ng/ml)Interpretation
< 0,5systemische bakterielle Infektion unwahrscheinlich
0,5–2mögliche Sepsis / lokale Infektion
2–10wahrscheinliche Sepsis
> 10schwere Sepsis / septischer Schock wahrscheinlich
Verlauf statt MomentaufnahmePCT-Clearance steuert die Antibiotika-Deeskalation (Abfall > 80 % vom Peak → Stopp erwägen). Falsch ↑ bei Trauma/OP/kardiogenem Schock.
08Kardiale Marker
Grundprinzip Kardiale Marker beantworten drei verschiedene Fragen: Stirbt Herzmuskel ab? (Troponin) · Ist das Herz überlastet/überdehnt? (NT-proBNP) · Wie groß / welcher Muskel ist der Schaden? (CK / CK-MB). Bei allen gilt: die Dynamik über die Zeit ist aussagekräftiger als der Einzelwert.
hs-Troponin T / I T: < 14 ng/l Myokardnekrose · „high sensitive“
Definition

Was: Strukturprotein des kontraktilen Apparats der Herzmuskelzelle. Wird es ins Blut freigesetzt, sind Kardiomyozyten zugrunde gegangen — herzspezifisch (anders als CK). „hs“ = so empfindlich, dass schon kleinste Mengen messbar sind. Anzeige: Myokardschaden jeder Ursache.

Warum / wie lesen: Diagnose eines Infarkts braucht eine relevante Dynamik (0/1 h- oder 0/3 h-Algorithmus), nicht einen einzelnen Wert. Cave ICU: chronisch/leicht erhöht bei Niereninsuffizienz, Sepsis, Lungenembolie, Myokarditis, Tachyarrhythmie — dort ist der Trend entscheidend, nicht das bloße „positiv“.

NT-proBNP / BNP NT-proBNP < 125 pg/ml Wandspannung / Herzinsuffizienz
Definition

Was: Wird vom Herzmuskel ausgeschüttet, wenn die Herzwand gedehnt wird (Druck-/Volumenbelastung). proBNP wird in das aktive Hormon BNP und das inaktive, stabilere NT-proBNP (gemessen) gespalten. Anzeige: Herzinsuffizienz / kardiale Volumenüberladung.

Warum / wie lesen: hervorragender Ausschlussmarker (niedrig → Herzinsuffizienz unwahrscheinlich). Cut-off steigt mit Alter und sinkender Nierenfunktion; bei Adipositas eher niedrig. Hilft auf ICU, Dyspnoe kardial vs. pulmonal einzuordnen.

CK (Gesamt-Kreatinkinase) ♂ < 190 · ♀ < 170 U/l Muskelschaden allgemein
Definition

Was: Energieenzym in allen Muskelzellen — Skelettmuskel, Herz und glatte Muskulatur.

Anzeige: Muskelschaden, aber nicht herzspezifisch.

Warum: stark ↑ bei Rhabdomyolyse (Trauma, Liegetrauma, Krampf, Statine) → dann Myoglobin + Nierenschutz beachten; auch nach i. m.-Injektion oder Defibrillation erhöht.

CK-MB < 6 % der Gesamt-CK Herzmuskel-Isoenzym
Definition

Was: die Isoform der CK, die überwiegend im Herzmuskel vorkommt.

Anzeige: myokardialer Anteil eines CK-Anstiegs.

Warum: der Anteil zählt — > 6 % der Gesamt-CK spricht für kardialen Ursprung, < 6 % eher Skelettmuskel. Heute weitgehend vom Troponin abgelöst, aber nützlich zur Abschätzung von Reinfarkt (kürzere Verweildauer als Troponin).

Einordnung — Entscheidungsbaum
Welcher Marker ist führend?
Troponin ↑ mit Dynamik + Klinik/EKGakuter Myokardschaden / Infarkt
Troponin ↑ stabil, ohne Dynamikchronisch (NI, Sepsis, LAE …)
NT-proBNP ↑kardiale Überlastung / Herzinsuffizienz
CK ↑↑, CK-MB < 6 %Skelettmuskel / Rhabdomyolyse
09Stoffwechsel & Glukose
Glukose nüchtern 70–100 mg/dl
< 70 mg/dlHypoglykämie — sofort behandeln; bei Sedierung leicht übersehen
ICU-Zielkorridori. d. R. 140–180 mg/dl (moderate Kontrolle; strenge Einstellung erhöht Hypoglykämierisiko)
Laktat < 2,0 mmol/l
Globaler Perfusionsmarker → siehe Sektion 01 (BGA). Serielle Messung & Clearance steuern die Schocktherapie.
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