Basic Life Support · Basismaßnahmen

BLS·ICU

Basismaßnahmen – Merkhilfe fürs Bett. Von oben nach unten.

Erw. Medis
1
Prüfen & Alarmierenerkennen in Sekunden
Eigenschutz & Umgebung · Gefahren ausschließen, dann sofort zum Patienten
WarumEin zweiter Verunfallter hilft niemandem. Erst Szene sichern (Strom, Sturz, Sekret/Erbrochenes), dann handeln.
Ansprechen & rütteln · „Hören Sie mich?“ – Schultern schütteln → Reaktion?
WarumKeine Reaktion = bewusstlos. Trennt schlafend/synkopal von einem echten Notfall.
Hilfe / Notruf · laut rufen, Notruf 112, im Haus Reanimationsteam · AED / Defi holen lassen
WarumDefinitive Therapie (Defibrillation, ALS-Team) muss parallel anlaufen – nicht erst nach Beginn der HLW.
ERC 2025Für jede reglose Person zuerst den Notruf absetzen – noch vor der Atemkontrolle. Die Leitstelle unterstützt beim Erkennen des Kreislaufstillstands und bei der Telefon-HLW. Alle – Laien wie Fachpersonal – sollen zur AED-Nutzung ermutigt werden.
Atemweg öffnen · Kopf überstrecken, Kinn anheben (Head-tilt / Chin-lift)
WarumBeim Bewusstlosen fällt die Zunge zurück – Überstrecken hebt sie vom Rachen ab und macht die Atmung überhaupt erst beurteilbar.
Atmung prüfen ≤ 10 s · sehen · hören · fühlen — Schnappatmung zählt NICHT als normal
WarumAgonale Schnappatmung (langsam, röchelnd, unregelmäßig) tritt in den ersten Minuten des Arrests auf und wird oft als „atmet noch“ fehlgedeutet. Im Zweifel: wie kein normales Atmen behandeln und beginnen.
EntscheidungReagiert nicht & keine normale Atmung?
Atmet normalbewusstlos, aber Atmung da
AStabile Seitenlage · Atemweg freihalten
Verhindert Zurückfallen der Zunge und Aspiration bei erhaltener Atmung. Anleitung siehe Werkzeug „Stabile Seitenlage“ unten.
BAtmung fortlaufend überwachen · Notruf/Team dennoch
Der Zustand kann jederzeit in einen Kreislaufstillstand kippen. Bei jedem Stopp der normalen Atmung → sofort auf HLW wechseln.
Atmet NICHT normalKreislaufstillstand
1HLW sofort starten · 30 Kompressionen : 2 Beatmungen
Jede Minute ohne HLW senkt die Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich. Details & Qualität → Phase 2.
2AED anfordern & anlegen, sobald verfügbar
Frühe Defibrillation bei schockbarem Rhythmus ist der stärkste beeinflussbare Überlebensfaktor → Phase 3.
2
HLW 30 : 2hohe Qualität zählt
30 Thoraxkompressionen · Mitte des Brustkorbs (untere Sternumhälfte) · Tiefe 5–6 cm · 100–120/min · vollständige Entlastung
WarumKompressionen erzeugen den koronaren & zerebralen Perfusionsdruck. Zu flach = wirkungslos, unvollständige Entlastung senkt den venösen Rückstrom. Harte, schnelle Kompressionen mit voller Entlastung sind der Kern.
ERC 2025Bestätigt Kompressionen zuerst (vor der ersten Beatmung) – die erste Kompression kommt so schneller. Takthilfe: ~110/min entspricht dem Rhythmus vieler bekannter Lieder.
2 Beatmungen · Kopf überstreckt, Nase zu · je ~1 s bis sich der Brustkorb sichtbar hebt · Unterbrechung < 10 s
WarumZu kräftig/zu schnell bläht den Magen (Regurgitation, Aspiration) und erhöht den intrathorakalen Druck. Ziel ist gerade sichtbares Heben, nicht maximales Volumen. Beatmungspausen kurz halten – jede Pause kostet Perfusionsdruck.
ERC 2025Gelingt nach 2 Versuchen keine Beatmung, an eine Fremdkörperverlegung denken (Werkzeug unten) und mit den Kompressionen fortfahren. Wer in Beatmung nicht geschult oder dazu nicht bereit ist, leistet ununterbrochene Herzdruckmassage.
Ununterbrochen weiter im Verhältnis 30 : 2 · Helfer alle 2 min wechseln
WarumDie Kompressionsqualität fällt nach ~1–2 min unbemerkt ab. Rechtzeitiger Wechsel (in der Rhythmusanalyse-Pause) hält Tiefe und Frequenz konstant. Wechsel in < 5 s planen.
3
AED / Defibrillationsobald das Gerät da ist
AED einschalten & Elektroden nach Aufdruck kleben — Kompressionen möglichst fortsetzen, während geklebt wird
WarumDas Gerät führt per Sprache/Bild durch alle Schritte. Kleben unter laufender HLW minimiert die „Hands-off“-Zeit. Trockener, ggf. rasierter Brustkorb sorgt für guten Elektrodenkontakt.
Analyse: Patient nicht berühren · Anweisung abwarten
WarumBerührung verfälscht die Rhythmusanalyse. Laut ansagen „Weg vom Patienten“ und den Kontakt aller sicherstellen.
Schock empfohlen → auslösen (niemand berührt) → sofort 2 min HLW
WarumDirekt nach dem Schock ist das Myokard kurz „gestunnt“ – ohne sofortige Kompressionen bleibt der Kreislauf aus. Puls-/Rhythmuscheck erst nach 2 min bzw. auf AED-Aufforderung.
Kein Schock empfohlensofort 2 min HLW weiter
WarumNicht schockbar (Asystolie/PEA) heißt nicht „nichts tun“ – hochwertige HLW läuft weiter, das Gerät analysiert im 2-Minuten-Takt erneut.
ÜbergangALS-Team & Ausrüstung eingetroffen → Erweiterte Maßnahmen
+
Werkzeuge & SonderfälleSeitenlage · Fremdkörper · Qualität · ICU
Stabile Seitenlage — Schritt für Schritt

WannBewusstlos, aber normale Atmung vorhanden (z. B. nach Synkope, Intoxikation, Krampf). Nicht bei fehlender/agonaler Atmung – dann HLW.

  1. Neben dem Patienten knien, Beine strecken, nahen Arm rechtwinklig nach oben legen (Handfläche nach oben).
  2. Fernen Arm über die Brust führen, Handrücken an die nahe Wange legen und dort halten.
  3. Fernes Bein am Knie greifen, aufstellen; am Knie zu sich herüberrollen.
  4. Oberes Bein in Hüfte und Knie rechtwinklig lagern (stabilisiert).
  5. Kopf überstrecken, Mund leicht geöffnet nach unten (Sekretabfluss). Atmung weiter überwachen.
1 2 3
① Kopf überstreckt, Mund nach unten · ② Handrücken an der Wange · ③ oberes Bein in Hüfte & Knie 90°

Bei Verdacht auf Wirbelsäulentrauma nur wenn nötig und möglichst achsengerecht. Länger als ~30 min → auf die andere Seite drehen (Druckstellen).

Fremdkörper-Atemwegsverlegung (FBAO / Bolusgeschehen)
Leichte Verlegung — wirksamer Husten

Patient kann noch sprechen, husten, atmen. Zum Weiterhusten ermutigen, nicht auf den Rücken schlagen. Husten erzeugt den höchsten Atemwegsdruck. Beobachten, bis gelöst oder Verschlechterung.

Schwere Verlegung — unwirksamer Husten, wach

Kein Sprechen/Luftholen möglich, stiller Husten, Zyanose. Im Wechsel:

  1. 5 Rückenschläge mit dem Handballen zwischen die Schulterblätter (Oberkörper vorbeugen).
  2. 5 Oberbauchkompressionen (Heimlich) – zwischen Nabel und Rippenbogen ruckartig nach innen/oben.

Wechsel 5 : 5 fortsetzen, bis der Fremdkörper gelöst ist oder der Patient bewusstlos wird.

5 Rückenschläge 5 Oberbauchkompressionen
Rückenschläge: Handballen zwischen die Schulterblätter · Oberbauch: Faust zwischen Nabel und Rippenbogen, ruckartig nach innen/oben
Bewusstlos → HLW

Vorsichtig ablegen, Notruf (falls noch nicht erfolgt) und sofort mit Thoraxkompressionen beginnen. Vor jeder Beatmung in den Mund schauen und nur sichtbare Fremdkörper entfernen – kein blindes Auswischen.

Cave: Bei Schwangeren/adipösen Patienten statt Oberbauch- Brustkompressionen. Manipulation nur bei direkt sichtbarem Objekt. ICU/Klinik: beim beatmeten oder tief bewusstlosen Patienten Laryngoskopie + Magill-Zange (durch geschultes Personal), großlumiges Absaugen (Yankauer) – siehe Intubation.

Nur-Kompressions-HLW vs. Atemspende

RegelWer nicht in Beatmung geschult oder dazu nicht bereit ist, leistet ununterbrochene Thoraxkompressionen (100–120/min) ohne Pausen.

Mit BeatmungGeschulte Helfer und Fachpersonal beatmen im Verhältnis 30 : 2 – bei asphyktischem Arrest (Ersticken, Ertrinken, Kind) ist die Beatmung besonders wichtig.

Hilfsmittel wie Beatmungsbeutel/Taschenmaske und O₂ verwenden, sobald verfügbar. Im Haus steht Beatmungsequipment am Bett/Notfallwagen.

HLW-Qualität — die 5 Stellschrauben
  • Frequenz 100–120/min (nicht schneller – sonst zu flach).
  • Tiefe 5–6 cm beim Erwachsenen.
  • Vollständige Entlastung nach jeder Kompression (Hände nicht aufstützen).
  • Minimale Unterbrechungen – Hands-off-Zeit < 10 s, auch beim Kleben/Wechseln.
  • Helferwechsel alle 2 min, um Ermüdung zu verhindern.

Feedback-Geräte oder Metronom nutzen, wenn vorhanden. Harte Unterlage (Bettbrett/Reanimationsbrett) verbessert die effektive Tiefe.

Innerklinisch / ICU — was hier anders läuft

VorteilDer Patient ist meist monitorüberwacht: Arrest wird oft in Echtzeit erkannt (EKG, SpO₂, art. Kurve, etCO₂). Manueller Defibrillator/Monitor statt AED → früher Rhythmuscheck.

  • Notrufkette: Reanimationsteam/MET über die interne Alarmnummer, nicht 112.
  • Rollen sofort verteilen: Kompression, Atemweg, Defi/Monitor, Medikamente, Dokumentation.
  • Notfallwagen & Defi ans Bett – Ausstattungs-Check ist Teil des Schichtbeginns.
  • Beim bereits beatmeten Patienten zuerst reversible Ursachen prüfen (Diskonnektion, Tubusfehllage, Sekret, Spannungspneu) – siehe 4 H / HITS im ALS.

ÜbergangBLS ist die Brücke, bis Team und Ausrüstung da sind. Danach übernimmt der erweiterte Algorithmus: ALS · ICU, Medikamente über Notfallwagen, nach ROSC Temperaturkontrolle.

ERC 2025 · Neuerungen im BLS
Die ERC-Leitlinien wurden am 22. Oktober 2025 veröffentlicht und vom German Resuscitation Council übersetzt. Der BLS-Ablauf bleibt im Kern stabil; die Änderungen betreffen Reihenfolge, Alarmierung und Systemaspekte.
Kompressionen zuerst

ILCOR/ERC bestätigen den compression-first-Ansatz: erst 30 Kompressionen, dann Beatmung – die erste Kompression erfolgt so früher.

Früher Notruf

Für jede reglose Person zuerst den Notruf absetzen – vor der Atemkontrolle. Leitstellengestützte Erkennung und Telefon-HLW werden gestärkt.

AED für alle

Alle – Laien und Fachkräfte – sollen zur AED-Nutzung ermutigt werden; öffentlich zugängliche AED mit Leitstellen-Anbindung werden gefördert.

Fremdkörper & Beatmung

Gelingt nach 2 Versuchen keine Beatmung → an Fremdkörper denken. Ungeschult → nur Kompressionen.

Systeme & Ausbildung

KIDS SAVE LIVES: HLW-Training ab dem Kindesalter, Ersthelfer-Systeme und AED-Register als Teil der Überlebenskette.

AHA 2025 ergänzend: Naloxon durch Laien bei vermutetem Opioid-bedingtem Arrest. Quellen → Referenzen · Basismaßnahmen.

ALS · ICU Notfallwagen Medikamente Intubation ThermoGuard Zugänge & Katheter