Advanced Life Support · Intensivstation

ALS·ICU

Entscheidungsbaum – Merkhilfe fürs Bett. Von oben nach unten.

Erw. Medis
1
Chaos-Phasesofort & parallel
CPR 100–120/min · 5–6 cm · so wenig Unterbrechung wie möglich
WarumMaximiert koronaren & zerebralen Perfusionsdruck – jede Pause lässt ihn sofort abfallen.
Defi / Monitor anschließen → Rhythmuscheck vorbereiten
WarumFrühe Defibrillation bei VF/pVT ist der stärkste Überlebensfaktor – Zeit bis zum Schock zählt.
ERC 2025Elektroden korrekt am Herzapex platzieren. Bei therapierefraktärem Kammerflimmern nach 3 Schocks einen Vektorwechsel auf anteroposteriore Position erwägen. Precharging (Laden vor dem Rhythmuscheck) ist in trainierten Teams möglich. Beim beobachteten Arrest am Monitor (Herzkatheter, Intensivüberwachung) sind bis zu 3 Schocks in Folge möglich — sie zählen zusammen als ein Schock. Double Sequence Defibrillation soll nicht routinemäßig eingesetzt werden.
O₂ 100 % · intubiert → 10/min, CPR durchgehend (ICU: oft schon beatmet)
WarumHyperventilation erhöht den intrathorakalen Druck → venöser Rückstrom & Auswurf sinken.
ERC 2025Erstmals konkrete Beatmungseinstellungen unter Reanimation: volumenkontrolliert, VT 6–8 ml/kg, Frequenz 10/min, PEEP 0–5 cmH₂O, Inspirationszeit 1–2 s, Spitzendruck-Alarm 60–70 cmH₂O. Durchgehende etCO₂-Messung ist Pflicht. Supraglottisch wird die i-gel gegenüber dem Larynxtubus bevorzugt.
Zugang i.v./i.o. (ICU: ZVK/Arterie meist vorhanden)
i.o.-Anleitung
Ausführliche Übersicht zu peripherem Zugang (PVK) und intraossärem Zugang (i.o.) auf der Seite Zugänge & Katheter.
Periphervenöse Verweilkanülen (PVK) — Farbcode & Fluss

Internationaler Farbcode (ISO). Im Schock/Arrest zählt großes Lumen: kurz & dick fließt am schnellsten.

GrößeAußen-ØDurchfluss*Typischer Einsatz
14 G 2,1 mm~270–340 Massivtransfusion, Polytrauma, Schock
16 G 1,7 mm~180–220 Großvolumen, OP, Volumentherapie
17 G 1,5 mm~125–145 Rasche Infusion, Transfusion
18 G 1,3 mm~90–105 Bluttransfusion, KM-CT
20 G 1,1 mm~55–65 Standard Erwachsene
22 G 0,9 mm~31–36 Dünne/fragile Venen, ältere Pat.
24 G 0,7 mm~20–22 Kinder, sehr feine Venen
26 G 0,6 mm~13–15 Neonaten

*Freier Schwerkraftfluss, Wasser, ca.-Werte – herstellerabhängig (z. B. Vasofix / Venflon). Bei Druck/Infusomat höher.


Wann i.o.? Wenn i.v. nicht binnen ~90 s / 2 Versuchen gelingt – im Arrest sofort gerechtfertigt. Über i.o. sind alle Medikamente & Volumen wie i.v. applizierbar.
Femur Tuberositas Fibula 90° MEDIAL LATERAL
Standard: proximale Tibia · 2 cm medial & 1 cm distal der Tuberositas · flache Innenfläche
Punktionsstellen (Erwachsene)
  1. Proximale Tibia: 2 cm medial & 1 cm distal der Tuberositas tibiae, flache Innenfläche.
  2. Proximaler Humerus: Tuberculum majus (Arm angelegt, Hand auf den Bauch) – höchste Flussrate, gut im Arrest.
  3. Distale Tibia: 3 cm proximal des Innenknöchels.
Alternative: proximaler Humerus
45° Acromion Humerus Tuberculum majus
Arm angelegt & innenrotiert, Hand auf den Bauch · Einstich am Tuberculum majus · Nadel 45° zur Vorderfläche, Spitze nach kaudal · 45-mm-Nadel (gelb)
Nadelwahl (EZ-IO) — Farbcode & Länge

Alle EZ-IO-Nadeln 15 G – Unterschied ist die Länge (Hub-Farbe). Regel: 5-mm-Marke muss nach dem Aufsetzen sichtbar bleiben.

FarbeLängeEinsatz
Rosa 15 mmKinder / schmale Weichteile (3–39 kg)
Blau 25 mmStandard Erwachsene (≥ 40 kg)
Gelb 45 mmAdipositas / proximaler Humerus
Vorgehen (EZ-IO Bohrsystem)
  1. Landmarke tasten, Haut desinfizieren.
  2. Nadel nach Tabelle wählen (Rosa 15 / Blau 25 / Gelb 45 mm).
  3. Nadel 90° zur Knochenfläche aufsetzen bis Knochenkontakt – 5-mm-Marke muss sichtbar bleiben, sonst zu kurz.
  4. Mit gleichmäßigem Druck bohren bis spürbarer Widerstandsverlust („Plopp" = Markraum erreicht).
  5. Bohrer abnehmen, Mandrin entfernen; Nadel steht fest. Optional Aspiration von Knochenmark zur Lagekontrolle.
  6. Wacher Patient: 2 % Lidocain langsam vor dem Bolus (Infusion ist schmerzhaft).
  7. Pflicht-Flush: 10 ml NaCl kräftig (öffnet den Markraum), dann Infusion unter Druck (Druckbeutel).
Kontraindikationen & Cave

Fraktur/Prothese am Zielknochen · i.o. an gleicher Stelle < 48 h · Infektion über der Einstichstelle · fehlende Landmarke. Komplikation: Extravasat → Kompartmentsyndrom (Nadellage & Wade kontrollieren). Liegedauer i. d. R. max. 24 h.

EntscheidungRhythmus defibrillierbar?
Ja – SchockbarVF / pulslose VT
1Schock 150–200 J biphasisch → sofort 2 min CPR
Sofort weiter komprimieren – Puls-/Rhythmuscheck erst nach 2 min, da das Myokard direkt nach dem Schock kurz „gestunnt" ist.
ICU: beobachteter Arrest am Monitor → bis zu 3 Schocks direkt hintereinander
Tritt VF/pVT unter laufender Überwachung auf und der Defibrillator ist sofort da, darf dreimal in Folge geschockt werden, bevor die Kompressionen beginnen — das Perfusionsdefizit ist in diesen Sekunden noch minimal, die Chance auf sofortige Konversion am größten.
ERC 2025Vorgesehen für den beobachteten Kreislaufstillstand am Monitor mit sofort verfügbarem Defibrillator — genannt werden Herzkatheterlabor und Intensivüberwachung. Wichtig für die Medikamentenzählung: Diese Dreiergruppe zählt als ein einziger (erster) Schock. Adrenalin und Amiodaron folgen also erst nach drei weiteren erfolglosen Schocks. Herzchirurgischer Sonderfall: eigener Algorithmus weiter unten.
3nach 3. Schock: Adrenalin 1 mg + Amiodaron 300 mg (alt. Lidocain 100 mg)
Adrenalin hebt über den α-Effekt den koronaren Perfusionsdruck; Amiodaron stabilisiert das refraktäre VF.
Adrenalin 1 mg alle 3–5 min
Entspricht etwa jedem 2. Zyklus – aufrechterhalten, nicht häufiger (Übermaß schadet der Mikrozirkulation).
5nach 5. Schock: Amiodaron 150 mg (alt. Lidocain 50 mg)
Nachdosis bei weiter bestehendem schockbarem Rhythmus. Lidocain ist die gleichwertige Alternative, wenn Amiodaron nicht verfügbar ist oder lokal bevorzugt wird: 100 mg nach dem 3., 50 mg nach dem 5. Schock.
Nein – Nicht schockbarPEA / Asystolie
!Adrenalin 1 mg SOFORT
Kein Schock möglich → Adrenalin ist die Erstmaßnahme, ohne Verzögerung.
2 min CPR → Rhythmuscheck
Ununterbrochen komprimieren; der Rhythmus kann jederzeit in einen schockbaren konvertieren.
Adrenalin 1 mg alle 3–5 min
Wie bei schockbar: etwa jeder 2. Zyklus.
PEA: aggressiv reversible Ursache suchen
PEA hat fast immer eine reversible Ursache (4H/HITS) – ohne deren Behebung kein ROSC.
2-Minuten-Schleifenach jedem Zyklus
Alle 2 min Rhythmuscheck · Helfer wechseln
ROSC-Zeichen prüfen: etCO₂-Sprung · arterielle Kurve
2
Reversible Ursachenwährend CPR abarbeiten

Tippen zum Aufklappen – wie erkenne ich's?

4 H’s

Hypoxie
ErkennenSpO₂/etCO₂ schon vor Arrest ↓ · Zyanose · Beatmungsalarm. Sofort Tubuslage & beidseitiges Atemgeräusch prüfen (Diskonnektion, Sekret, Fehllage). Flache Capnografie → Tubusproblem.
Hypovolämie
ErkennenBlutungsquelle? (GI, OP-Gebiet, retroperitoneal, Trauma) · Hb ↓, Laktat ↑. POCUS: schmale, kollabierende V. cava + leeres, hyperdynames Herz („kissing walls").
Hypo-/Hyperkaliämie
ErkennenSofort BGA (K⁺, Glukose, Ca²⁺, pH). Hyper-K: hohe spitze T → breiter QRS → Sinuswelle. Hypo-K: flache T, U-Welle. Kontext: Niereninsuff./Dialyse, DKA.
Hypothermie
ErkennenKerntemperatur messen (ösophageal/vesikal). Kontext: Ertrinken, Exposition, lange OP. EKG: Osborn-(J-)Welle, Bradykardie. Merke: „nicht tot, bis warm & tot."

HITS · 4 T’s

Herzbeuteltamponade
ErkennenPOCUS: Erguss + diastolischer RV-Kollaps, „swinging heart". Kontext: post-Kardiochirurgie, ZVK-Anlage, Trauma, Antikoagulation. → Punktion / Resternotomie.
Intoxikation
ErkennenMedikamenten-/Anamnese, Pupillen, tox. Syndrom. EKG: TCA → breiter QRS; Digitalis; β-/Ca-Blocker → Bradykardie. Antidot bereit (Naloxon, Lipid bei LA, Ca/Insulin-Glukose).
Thrombose – LAE / Infarkt
ErkennenLAE: akute RV-Belastung im POCUS (dilatierter RV, D-Sign, McConnell), vorher Dyspnoe/Synkope, Immobilität/TVT → ggf. Lyse. MI: vorher Thoraxschmerz/ST-Hebung, VF als Erstrhythmus → PCI.
Spannungspneumothorax
ErkennenEinseitig fehlendes Atemgeräusch, Beatmungsdruck ↑/Compliance ↓, gestaute Halsvenen, Trachealdeviation (spät). POCUS: fehlendes Lungengleiten + Lungenpunkt. → sofort Entlastung.
3
ICU-ToolsUrsache finden & eskalieren

Tippen für Definition & Detail.

ERC 2025 · Neuerungen im Überblick
Die ERC-Leitlinien wurden am 22. Oktober 2025 veröffentlicht und vom German Resuscitation Council übersetzt. Keine Umwälzung des Algorithmus — die Kernaussagen bestätigen ERC 2021. Neu sind Details, die im Ablauf aber spürbar sind.

DefibrillationElektroden korrekt am Herzapex. Bei therapierefraktärem Kammerflimmern nach 3 Schocks Vektorwechsel auf anteroposterior erwägen — der um 90° anders gerichtete Schock kann die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen. Precharging in trainierten Teams möglich. Beim beobachteten Arrest am Monitor (Herzkatheter, Intensivüberwachung) bis zu 3 Schocks in Folge — sie zählen zusammen als ein Schock. Double Sequence Defibrillation nicht routinemäßig.

BeatmungErstmals konkrete Einstellungen unter CPR:

  • volumenkontrolliert, VT 6–8 ml/kg, Frequenz 10/min
  • PEEP 0–5 cmH₂O, Inspirationszeit 1–2 s
  • Spitzendruck-Alarm 60–70 cmH₂O
  • durchgehende etCO₂-Messung ist Pflicht
  • supraglottisch: i-gel vor Larynxtubus

HämodynamikFrühzeitige invasive Blutdruckmessung empfohlen. Pragmatisches Ziel unter Reanimation: diastolisch ≥ 30 mmHg (intraarteriell) und etCO₂ ≥ 25 mmHg – beide gemeinsam, nicht als Ersatz füreinander. Liegt eine kontinuierliche arterielle Druckmessung, soll Adrenalin zunächst in kleinen Dosen (50–100 µg i.v.) statt als 1-mg-Bolus gegeben werden; bleibt nach insgesamt 1 mg eine Reaktion aus, weiter mit 1 mg alle 3–5 min. Fällt der systolische Druck trotz Intervention unter 50 mmHg, Thoraxkompressionen erwägen.

AwarenessBei Zeichen von Wachheit unter Reanimation soll nicht nur ein Muskelrelaxans gegeben werden.

BradykardieAtropin nicht geben bei höhergradigem AV-Block mit breitem QRS (insbesondere AV-Block II° Typ 2 bzw. 2:1) — es kann den Block verschlechtern.

TachykardieBei polymorpher VT mit QT-Verlängerung (Torsade de pointes) Amiodaron meiden. Vorhofflimmern mit Präexzitation: Kardioversion. Die Instabilitätskriterien schließen jetzt auch Arrhythmien direkt nach ROSC ein.

POCUSPrimär subxiphoidal, Zeitverlust vermeiden — z. B. Loop-Aufzeichnung während der Kompressionspause. Cave: Eine Rechtsherzdilatation kann bei prolongierter Reanimation auch ohne Lungenembolie auftreten. Kein sonografischer Pulscheck empfohlen.

Besondere Umstände

  • Hyperkaliämie: Evidenz für Calcium gering — bei Reanimation unter Hyperkaliämie dennoch Bolus Calcium plus Natriumbicarbonat.
  • Anaphylaxie: Adrenalin bleibt Primärtherapie; routinemäßiges Prednisolon nicht mehr empfohlen, H1-Blocker nur bei Hautreaktion (Cave Hypotonie bei rascher i.v.-Gabe).
  • Hypothermie: bei Kerntemperatur < 30 °C einmalige Adrenalingabe erwägen, sofern keine ECPR unmittelbar geplant ist.
  • Trauma: Thoraxkompressionen sind der Behandlung behebbarer Ursachen nachrangig; REBOA insgesamt abgewertet.
  • Schwangere: die starre 5-Minuten-Regel zur Notsectio wird nicht mehr postuliert — die Notsectio bleibt dringlich.

Nach ROSCGrößte Änderung des gesamten Updates: kein gezieltes Temperaturmanagement mehr, nur noch Temperaturkontrolle mit Ziel ≤ 37,5 °C über 36–72 h. Betonung kurz wirksamer Sedativa, keine routinemäßige Muskelrelaxierung. Siehe ThermoGuard und Referenzen · Reanimation.

POCUS – kardial / pulmonal / femoral

DefinitionPoint-of-Care-Ultraschall im 10-Sek-Fenster der Rhythmus-/Pulscheck-Pause – Pause dadurch nicht verlängern (Schallkopf vorab platzieren, Clip aufnehmen, offline befunden).

FEEL (Focused Echo in Life support): subxiphoidal → Herzaktion? Perikarderguss? RV-Dilatation? Trennt echte vs. Pseudo-PEA – Wandbewegung ohne Puls = bessere Prognose.

RUSH (Rapid Ultrasound in Shock): „Pump – Tank – Pipes" = Herz · Volumen/V. cava + Lunge · Aorta/TVT.

Femoral: Doppler-Flussnachweis (Puls oft nicht tastbar) & Gefäßzugang für eCPR.

etCO₂ & arterielle Druckkurve

etCO₂Endexspiratorisches CO₂ (Kapnografie) = Maß für Lungenperfusion → spiegelt die CPR-Qualität.

  • < 10 mmHg → schlechte Perfusion → Kompression optimieren, Helfer wechseln
  • Pragmatisches Ziel ≥ 25 mmHg (ERC 2025) – gemeinsam mit diastolisch ≥ 30 mmHg, nicht als Ersatzgröße dafür
  • plötzlicher Sprung (z. B. > 35) → ROSC – weiter komprimieren bis bestätigt
  • persistent < 10 mmHg nach 20 min → prognostisch ungünstig (nur im Gesamtbild)

Art. KurveICU-Vorteil bei liegender Arterie: diastolischer Druck ≈ koronarer Perfusionsdruck. ERC 2025 empfiehlt eine frühzeitige invasive Blutdruckmessung mit Ziel diastolisch ≥ 30 mmHg. Eigene Pulskurve → ROSC.

  • Ziel nicht erreicht → Druckpunkt optimieren und reversible Ursachen prüfen (Spannungspneumothorax, Perikardtamponade)
  • Adrenalin bei liegender Arterie: zunächst kleine Dosen 50–100 µg i.v. statt 1-mg-Bolus – gilt für jeden Arrest mit kontinuierlicher arterieller Druckmessung, nicht erst bei Hypotonie. Nach insgesamt 1 mg ohne Reaktion: Extravasat ausschließen, dann 1 mg alle 3–5 min
  • systolisch < 50 mmHg trotz Intervention → Thoraxkompressionen erwägen
eCPR / ECMO erwägen

DefinitionVA-ECMO unter laufender CPR – übernimmt Kreislauf & Oxygenierung als Brücke, bis die Ursache behoben ist (PCI, Lyse, Wiedererwärmung).

Erwägen bei: refraktärem Arrest + reversibler Ursache, beobachtetem Kollaps, kurzer Low-Flow-Zeit (< ~60 min), etCO₂ > 10, günstigem Patientenprofil.

Klassiker: LAE · tiefe Hypothermie · Intox · refraktäres VF · post-OP.

Post-OP Herzchirurgie – eigener Algorithmus

Warum anders?Nach Herz-OP gilt der CALS-/EACTS-Algorithmus statt Standard-ALS. Die Ursache ist meist chirurgisch behebbar (Tamponade, Nachblutung), und harte Thoraxkompressionen können frische Nähte, Bypässe und das verdrahtete Sternum schädigen. Deshalb: schnelle Defibrillation/Pacing und früh die Re-Sternotomie – statt langer Kompression.

Kammerflimmern / pulslose VT

Bis zu 3 Schocks direkt hintereinander – noch vor der Thoraxkompression. Direkt postoperativ ist ein kurzes Re-Flimmern wahrscheinlich und oft mit einem sofortigen Schock beendet, ohne das OP-Gebiet zu gefährden. Erst wenn die 3 Schocks erfolglos sind → Kompression beginnen.

Asystolie / schwere Bradykardie

Epikardiale Schrittmacherdrähte liegen meist schon: sofort DDD, maximaler Output, hohe Frequenz – Capture (Erfassung) prüfen. Kein Auswurf trotz Pacing → Kompression.

PEA

Kompression starten – aber Schrittmacher kurz ausschalten, damit ein durch Pacing-Spikes verstecktes Kammerflimmern nicht übersehen wird.

Adrenalin – Vorsicht!

Nicht routinemäßig 1 mg. Bei Wiederkehr des Kreislaufs kann ein voller Bolus eine schwere Hypertonie auslösen → frische Nähte platzen, Nachblutung. Nur kleine Dosen und Entscheidung durch den erfahrensten Anwesenden (Senior/Chirurg).

Re-Sternotomie < 5 min – der entscheidende Schritt

Greifen die Schritte nicht (v. a. bei Verdacht auf Tamponade/Blutung): den Brustkorb am Bett wieder eröffnen, innerhalb von 5 min nach dem Arrest, durch ein geschultes Team. Die interne Herzmassage ist deutlich effektiver als die externe. Voraussetzung: Re-Sternotomie-Set am Bett.

Häufigste Ursachen: Tamponade (Warnzeichen: Drainagen versiegen plötzlich) · Nachblutung/Hypovolämie · Spannungspneumothorax · Schrittmacher- oder Bypass-(Graft-)Versagen.
Team (CALS): 6 definierte Rollen – Kompression, Atemweg, Defibrillation, 2× Re-Sternotomie-Assistenz, Koordination/Medikamente – regelmäßig trainiert.

EntscheidungROSC erreicht?
Nach ROSCPost-Cardiac-Arrest-Care
12-Kanal-EKG → Koronarangiographie bei STEMI / Instabilität
WarumAkuter Koronarverschluss ist die häufigste Arrest-Ursache; frühe PCI verbessert das Outcome.
ERC 2025Bei ST-Hebung oder hohem Verdacht auf Koronarokklusion (hämodynamische/elektrische Instabilität, rezidivierende VT/VF, anhaltende Ischämie) sofortige Koronarangiographie. Beim stabilen Non-STEMI nach ROSC bringt die Routine-Sofortangiographie keinen Überlebensvorteil (COACT) – dann zunächst Ursachensuche.
Ursache sichern · kein STEMI → Ganzkörper-CT (Kopf–Becken + CT-Pulmonalis)
ERC 2025Findet die Koronarangiographie keine Ursache oder deuten Vorzeichen auf eine nicht-kardiale Genese (Kopfschmerz, Krampf/neurologisches Defizit, Dyspnoe/Hypoxämie, Bauchschmerz), dann zweiphasiges Ganzkörper-CT von Kopf bis Becken inkl. CT-Pulmonalisangiographie (Blutung, SAB, LAE, Aortendissektion, Ileus). Reversible Ursachen konsequent abarbeiten (4 H / HITS).
SpO₂ 94–98 % · PaO₂ 75–100 mmHg (10–13 kPa)
WarumSowohl Hypoxie als auch Hyperoxie verschlechtern das neurologische Ergebnis – Ziele eng halten.
ERC 2025Initial 100 % O₂, sobald die SpO₂ zuverlässig messbar ist auf 94–98 % titrieren. Die Pulsoxymetrie kann in der frühen Reperfusion ungenau sein → per BGA absichern.
Normokapnie PaCO₂ 35–45 mmHg · lungenprotektiv beatmen (VT 6–8 ml/kg IBW)
WarumCO₂ steuert die zerebrale Durchblutung: Hypokapnie → Vasokonstriktion (Ischämie), Hyperkapnie → Hirndruck. Enge Normokapnie schützt das Gehirn.
ERC 2025Ziel Normokapnie – die milde permissive Hyperkapnie brachte keinen Vorteil (TAME). Komatös → Beatmung & Analgosedierung fortsetzen, Oberkörper 30° hoch. Bei Hypothermie PaCO₂ häufig kontrollieren (Hypokapnie-Gefahr).
MAP ≥ 65 mmHg · Hypotonie vermeiden
WarumSichert die zerebrale Perfusion in der vulnerablen Postreanimationsphase. Steuerung nach Urinausscheidung und Laktat-Clearance.
ERC 2025Ziel MAP ≥ 65 mmHg; ein höheres Blutdruckziel (≈ 77 mmHg) brachte keinen Zusatznutzen (BOX). Frühe Echokardiografie: die postischämische Myokarddysfunktion ist meist über 24–72 h reversibel – Volumen, Noradrenalin, ggf. Inotropikum / mechanische Kreislaufunterstützung.
Blutzucker 140–180 mg/dl · Krampfanfälle behandeln (EEG)
WarumHypoglykämie ist gefährlich, ausgeprägte Hyperglykämie schädlich – moderates Ziel. Anfälle erhöhen den zerebralen Sauerstoffbedarf.
ERC 2025Blutzucker 140–180 mg/dl (7,8–10 mmol/l), Hypoglykämie strikt vermeiden. Bei komatösen Patienten EEG; klinische/elektrische Anfälle behandeln (z. B. Levetiracetam/Valproat) – keine routinemäßige Anfallsprophylaxe. Myoklonus abklären.
Temperaturkontrolle · Fieber verhindern · Ursache behandeln
WarumFieber nach Arrest ist neurotoxisch.
ERC 2025Das gezielte Temperaturmanagement (TTM) wird nicht mehr empfohlen — angestrebt wird Temperaturkontrolle: bei nach ROSC komatösen Patienten Fieber aktiv verhindern, Ziel ≤ 37,5 °C über 36–72 h. Milde Hypothermie (32–36 °C) nicht aktiv aufwärmen, keine präklinische Kühlung mit kalten Infusionen. Details auf der Seite ThermoGuard.
ERC / ESICM 2025 · Post-Cardiac-Arrest-Care im Detail
Die dritte gemeinsame ERC-ESICM-Leitlinie zur Postreanimationsbehandlung (2025) bündelt die Versorgung nach ROSC. Kernbotschaft: Der wiederhergestellte Kreislauf ist der Anfang, nicht das Ende – die nächsten Stunden entscheiden über das neurologische Outcome.
Post-Cardiac-Arrest-Syndrom

Vier Komponenten prägen die Phase nach ROSC: hypoxisch-ischämische Hirnschädigung, myokardiale Dysfunktion (Stunning), systemische Ischämie-Reperfusion („sepsisähnliches“ Bild mit Vasoplegie) und die persistierende auslösende Erkrankung. Das erklärt, warum nach ROSC oft Katecholamine, Volumen und Organsupport nötig sind.

Ursache klären

ST-Hebung / Verdacht auf Koronarokklusion (Instabilität, rezidiv. VT/VF, Ischämie) → sofortige Koronarangiographie. Stabiler Non-STEMI → keine Routine-Sofortangiographie (COACT). Keine kardiale Ursache erkennbar oder nicht-kardiale Vorzeichen → Ganzkörper-CT (Kopf–Becken + CT-Pulmonalis).

Oxygenierung & Ventilation
  • SpO₂ 94–98 % bzw. PaO₂ 75–100 mmHg – Hyperoxie und Hypoxie meiden.
  • PaCO₂ 35–45 mmHg (Normokapnie); milde Hyperkapnie ohne Vorteil (TAME).
  • Lungenprotektiv (VT 6–8 ml/kg IBW), Oberkörper 30° hoch, Analgosedierung mit kurz wirksamen Substanzen.
Hämodynamik
  • MAP ≥ 65 mmHg; höheres Ziel ohne Zusatznutzen (BOX). Individuell nach Urin & Laktat.
  • Frühe Echokardiografie; Myokarddysfunktion meist in 24–72 h reversibel.
  • Eskalation: Volumen → Vasopressor (Noradrenalin) → Inotropikum → ggf. mechanische Unterstützung. Siehe Vasoaktiva und Perfusoren.
Krampf & Neuromonitoring

EEG bei anhaltend komatösen Patienten. Klinische und elektrische Anfälle behandeln (Levetiracetam/Valproat), keine Prophylaxe. Myoklonus einordnen (nicht per se prognostisch).

Temperatur & allgemeine Intensivtherapie
  • Temperaturkontrolle statt TTM: Fieber verhindern, Ziel ≤ 37,5 °C – siehe ThermoGuard.
  • Blutzucker 140–180 mg/dl, Hypoglykämie vermeiden.
  • Normale Elektrolyte, Thrombose- und Stressulkusprophylaxe, frühe Ernährung. Keine routinemäßige Antibiotikagabe ohne Infektzeichen.
Neuroprognose — nicht zu früh

Frühestens ≥ 72 h nach ROSC, multimodal und nur bei komatösem Patienten ohne Störfaktoren (Restsedierung, Relaxierung, Hypothermie, Kreislaufinstabilität). Bausteine: klinisch (Pupillen-/Kornealreflex, Myoklonus), NSE, EEG, SSEP, Bildgebung (CT/MRT). Niemals anhand eines einzelnen Parameters entscheiden. Bei infauster Prognose Organspende erwägen.

Grundlage: ERC-ESICM Post-Resuscitation Care 2025 (BOX-, TAME-, COACT-Studien). Verbindlich bleiben Hausstandard/SOP. Quellen → Referenzen · Reanimation.

Intubation