Wann von Propofol abweichen? Propofol ist Standard-Hypnotikum beim kreislaufstabilen Patienten, wirkt aber vasodilatierend + negativ inotrop → Blutdruckabfall. Bei Kreislaufinstabilität, Hypovolämie, Schock, Sepsis oder Trauma wird kreislaufschonender eingeleitet: Esketamin als kreislaufstabiles Hypnotikum und/oder Fentanyl als Analgesie-Komponente, die die Sympathikusantwort dämpft und eine niedrigere Hypnotikum-Dosis erlaubt.
Esketamin25 mg/ml
Hypnotikum-Alternative · kreislaufstabil
!Vorbereitung und Dosierung›
Zubereitung: Ketanest S 25 mg/ml (z. B. 2 ml = 50 mg) — pur oder je SOP verdünnt.
Dosierung (Einleitung): ca. 0,5–1 mg/kg i.v. (notfallmedizinisch bis 1–2 mg/kg; S1-Leitlinie ~100 mg). Beispiel 70 kg ≈ 35–70 mg = 1,4–2,8 ml der 25 mg/ml-Spritze, titriert nach Kreislauf.
Wann statt Propofol? Kreislaufinstabilität/Schock, Hypovolämie, Sepsis, Trauma; zusätzlich Bronchodilatation (Asthma/Bronchospasmus). Liefert zugleich Analgesie. CAVE: Blutdruck-/Herzfrequenzanstieg (myokardialer O₂-Verbrauch↑ → Cave schwere KHK/unkontrollierte Hypertonie), Hypersalivation, psychomimetische Phänomene (mit Benzodiazepin dämpfen); bei katecholamindepletierten Patienten dennoch Hypotonie möglich; erhöhter Hirndruck umstritten.
Etomidat2 mg/ml
Hypnotikum-Alternative · kreislaufstabil
0,15–0,3 mg/kg
Etomidat-Lipuro
!Vorbereitung und Dosierung›
Zubereitung: Etomidat-Lipuro 2 mg/ml (20 mg/10 ml) — pur.
Dosierung (Einleitung): ca. 0,15–0,3 mg/kg i.v. (meist 0,2–0,3 mg/kg). Beispiel 70 kg ≈ 10,5–21 mg = 5,3–10,5 ml der 2 mg/ml-Spritze. Wirkeintritt < 1 min, Dauer ~3–10 min.
Wann statt Propofol? Kreislaufinstabile/kardiale Risikopatienten — geringste Herz-Kreislauf-Depression aller Injektionsanästhetika. CAVE: Nebennierenrindensuppression (Hemmung der 11-β-Hydroxylase → Cortisolsynthese↓) bereits nach Einmalgabe; v. a. bei Sepsis/kritisch Kranken umstritten. Myoklonien, Injektionsschmerz, PONV; keine Analgesie (mit Opioid kombinieren). Nur zur Einleitung, keine Dauergabe.
Midazolam5 mg/ml
Benzodiazepin · Schock/Co-Induktion
!Vorbereitung und Dosierung›
Zubereitung: Midazolam 5 mg/ml (z. B. 15 mg/3 ml) — pur oder verdünnt.
Dosierung (Einleitung): als alleiniges Hypnotikum ~0,15–0,2 mg/kg; beim kardiogenen Schock bewusst niedriger (~0,05–0,1 mg/kg, z. B. ~7 mg). Beispiel 70 kg ≈ 3,5–14 mg. Langsamer Wirkeintritt (1–2 min), längerer Nachhang.
Wann statt Propofol? Kreislaufinstabil (v. a. kardiogener Schock) als Co-/Einleitungshypnotikum — meist mit Opioid/Esketamin kombiniert. CAVE: Atemdepression, Hypotonie (v. a. Schock/Kombination), Kumulation & verzögertes Aufwachen, paradoxe Reaktionen. Antidot Flumazenil (Cave Krampfschwelle/Entzug).
Thiopental25 mg/ml
Barbiturat · Hypnotikum-Alternative
!Vorbereitung und Dosierung›
Zubereitung: Thiopental (Trapanal) 25 mg/ml (0,5 g/20 ml; auch als 2,5 g/100 ml).
Dosierung (Einleitung): ca. 3–5 mg/kg i.v. Beispiel 70 kg ≈ 210–350 mg = 8,4–14 ml der 25 mg/ml-Spritze. Wirkeintritt ~30 s, kurz.
Wann? Klassiker u. a. bei Sectio, erhöhtem Hirndruck, Status epilepticus — heute meist durch Propofol ersetzt. CAVE: ausgeprägte Hypotonie (venöses Pooling, negativ inotrop), Histaminfreisetzung/Bronchospasmus (Cave Asthma), Laryngospasmus; stark alkalisch (pH ~10) → bei Paravasat/intraarteriell Gewebenekrose; kontraindiziert bei Porphyrie; keine Analgesie.
Fentanyl50 µg/ml
Opioid · Analgesie/Sympatholyse
!Vorbereitung und Dosierung›
Zubereitung: Fentanyl 50 µg/ml (0,5 mg/10 ml) — pur.
Dosierung (Einleitung): ca. 1–3 µg/kg i.v. (S1-Leitlinie fix ~0,2 mg = 200 µg). Beispiel 70 kg ≈ 70–210 µg = 1,4–4,2 ml der 50 µg/ml-Spritze.
Rolle / Unterschied: Fentanyl ist kein Hypnotikum — es ersetzt Propofol nicht, sondern ist die Analgesie-/Sympatholyse-Komponente (wie/statt Sufentanil). Es dämpft den Blutdruck-/Herzfrequenzanstieg bei der Laryngoskopie und erlaubt, die Hypnotikum-Dosis beim instabilen Patienten zu reduzieren; kombiniert mit reduziertem Hypnotikum bzw. Esketamin/Etomidat/Midazolam. CAVE: Atemdepression, Thoraxrigidität bei rascher/hoher Gabe, Bradykardie/Hypotonie. Antidot Naloxon.
Relaxans-Alternative: Statt Rocuronium (1,2 mg/kg, mit Sugammadex antagonisierbar) kann zur RSI Succinylcholin gegeben werden — schnellster Wirkeintritt, kürzeste Wirkdauer, aber relevante Kontraindikationen.
Succinylcholin20 mg/ml
Depol. Relaxans · statt Rocuronium
!Vorbereitung und Dosierung›
Zubereitung: Succinylcholin (Lysthenon 2 %) 20 mg/ml (100 mg/5 ml).
Dosierung (RSI): 1,0–1,5 mg/kg i.v. Beispiel 70 kg ≈ 70–105 mg = 3,5–5,3 ml der 20 mg/ml-Spritze. Wirkeintritt 30–60 s, kürzeste Wirkdauer (~3–5 min).
Wann statt Rocuronium? Depolarisierendes Relaxans zur RSI, wenn eine sehr kurze Wirkdauer erwünscht ist. CAVE: Maligne Hyperthermie (Trigger!), Hyperkaliämie (Verbrennungen, Denervierung/Querschnitt, Immobilisation, Rhabdomyolyse, neuromuskuläre Erkrankungen → lebensbedrohlicher K⁺-Anstieg), Bradykardie/Asystolie (v. a. Repetition/Kinder → Atropin bereit), Muskelfaszikulationen & -schmerz, ↑ intragastraler/-okularer/-kranieller Druck, verlängerte Wirkung bei Pseudocholinesterasemangel, Anaphylaxie. Nicht mit Sugammadex antagonisierbar.
Wann welche? Propofol — Standard beim kreislaufstabilen Patienten (CAVE Hypotonie). Esketamin — kreislaufinstabil/Schock/Trauma/Bronchospasmus; kreislaufstabil + analgetisch. Etomidat — kardial/kreislaufstabil, aber Nebennierensuppression (Cave Sepsis). Midazolam — kardiogener Schock/Co-Induktion (längerer Nachhang). Thiopental — Barbiturat-Klassiker (Sectio/Hirndruck), heute selten (Cave Hypotonie/Porphyrie). Fentanyl — Analgesie-/Stresskomponente (kein Hypnotikum). Relaxans: Rocuronium (antagonisierbar) oder Succinylcholin (kürzeste Wirkung, Cave MH/Hyperkaliämie). Auswahl & Dosis nach ärztlicher Anordnung/SOP.