Geräte & Zugänge · Intensivpflege

Zugänge & Katheter

Gefäßzugänge auf der Intensivstation: Bestückung & Schenkel von ZVK (3- und 5-lumig), Arterie und Sheldon-Katheter — mit Handhabung und typischer Belegung der Lumina.

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Überblick & GrundregelnZugangsarten, Farbcode, goldene Regeln

Schneller Einstieg in die gängigen Gefäßzugänge und die Regeln, die unabhängig vom Hersteller gelten.

ZVKArterieSheldonPVKi.o.

Zugänge auf einen Blick

Farbe & Gauge sind herstellerabhängig (z. B. Arrow, Certofix). Verbindlich sind die Beschriftung am Katheter und der Hausstandard — die hier gezeigten Farben sind typische Beispiele.
Goldene Regeln: jedes Lumen vor Nutzung aspirieren, danach pulsatil mit NaCl 0,9 % spülen · Katecholamin-Schenkel nie bolen/spülen/unterbrechen · inkompatible Substanzen auf getrennte Schenkel · Konnektoren wischdesinfizieren (Einwirkzeit beachten) · alle Leitungen beschriften.
ZVK · 3-lumigdistal · medial · proximal

Standard-Mehrlumenkatheter (z. B. 7 Fr, ~20 cm). Die Lumina münden gestaffelt: distal an der Spitze (am zentralsten), proximal am katheternächsten.

V. CAVA → RA P M D Spitze

3-lumig · distal (D) = Spitze, am zentralsten · medial (M) · proximal (P)

Distalbraun · ~16 GSpitze, am zentralsten. Nach Hausstandard für parenterale Ernährung / Lipide, rasche Volumengabe, ZVD-Messung und Blutentnahme / zentrale BGA.
Medialblau · ~18 GSedierung / Analgesie, Medikamente, weitere kompatible Dauerinfusionen.
Proximalweiß · ~18 GMündet am katheternächsten. Katecholamine (): Noradrenalin, Adrenalin, Vasopressin.
Cave Hausstandard vor Literaturbeispiel: Katecholamine proximal und dediziert, distales Lumen für Hochfluss-Nutzung. Farbe, Gauge und Reihenfolge bleiben herstellerabhängig.

Bewusster Tausch proximal/distal: Der 5-lumige ZVK wird hier nach hausinterner Logik belegt. Das distale Lumen ist häufig großlumiger und wird für Anwendungen mit höheren oder wechselnden Laufraten priorisiert.

  • Distal: parenterale Ernährung/Lipide, Volumen, ZVD, zentrale Blutentnahme/BGA, je nach Situation und Katheterbeschriftung.
  • Proximal: Katecholamine als eigener, durchgehend laufender Schenkel, ohne Bolus, Spülen, Anspülen, Blutentnahme oder Unterbrechung.
  • Begründung: Wenn Katecholamine über ein Hochfluss-Lumen laufen, können Änderungen an PE, Volumen oder Systemmanipulationen eine unbeabsichtigte Dosisänderung verursachen. Das kann klinisch als Blutdruckspitze oder Blutdruckabfall sichtbar werden.
  • Literaturhinweis: In anderen Häusern findet man Katecholamine teils distal/zweitdistal, weil der Auslass zentraler liegt. Im Alltag dieser SOP ist verbindlich: Katheterbeschriftung prüfen und Hausstandard anwenden.
Blutentnahme über den ZVKSchritt für Schritt
  1. Hände desinfizieren, Handschuhe; Material bereitlegen.
  2. Lumen wählen — möglichst distal; nicht den Katecholamin-Schenkel; laufende Infusion am gewählten Lumen kurz pausieren.
  3. Nadelfreien Konnektor wischdesinfizieren (Einwirkzeit, trocknen).
  4. Aspirieren, Verwurf abnehmen (~5–10 ml) — bei Blutkulturen nach Hausstandard (oft kein Verwurf).
  5. Probe(n) abnehmen; Röhrchen-Reihenfolge nach Hausstandard.
  6. Lumen pulsatil mit NaCl 0,9 % spülen (push-pause); Infusion wieder starten / ggf. blocken.
  7. Konnektor wischdesinfizieren & verschließen; beschriften, zeitnah versenden.
Cave: Katecholamin-Schenkel meiden (Blutdruckabfall + Probenkontamination) · Verdünnung durch laufende Infusion vermeiden · streng aseptisch (CRBSI).
ZVK · 5-lumigfür viele / inkompatible Infusionen

Größerer Mehrlumenkatheter (z. B. 8,5 Fr). Mehr getrennte Schenkel → mehr Leitungen für inkompatible Infusionen und eigene Katecholamin-Schenkel.

V. CAVA → RA P M3 M2 M1 D Spitze

5-lumig · distal (D) = Spitze · M1–M3 medial · proximal (P)

Distalbraun · oft 16 GSpitze: ZVD, parenterale Ernährung / Lipide, rasche Volumengabe, zentrale BGA.
Medial 1blau · 18 GSedierung / Analgesie oder weitere kompatible Dauerinfusion.
Medial 2grau · 18 GMedikamente; inkompatible Substanzen getrennt führen.
Medial 3violett · 18 GWeitere Dauerinfusion / Reserve nach Kompatibilität.
Proximalweiß · 18 GKatecholamine (): Noradrenalin, Adrenalin, Vasopressin.
Cave Hausstandard vor Literaturbeispiel: Katecholamine proximal und dediziert, distales Lumen für Hochfluss-Nutzung. Farbe, Gauge und Reihenfolge bleiben herstellerabhängig.

Bewusster Tausch proximal/distal: Der 5-lumige ZVK wird hier nach hausinterner Logik belegt. Das distale Lumen ist häufig großlumiger und wird für Anwendungen mit höheren oder wechselnden Laufraten priorisiert.

  • Distal: parenterale Ernährung/Lipide, Volumen, ZVD, zentrale Blutentnahme/BGA, je nach Situation und Katheterbeschriftung.
  • Proximal: Katecholamine als eigener, durchgehend laufender Schenkel, ohne Bolus, Spülen, Anspülen, Blutentnahme oder Unterbrechung.
  • Begründung: Wenn Katecholamine über ein Hochfluss-Lumen laufen, können Änderungen an PE, Volumen oder Systemmanipulationen eine unbeabsichtigte Dosisänderung verursachen. Das kann klinisch als Blutdruckspitze oder Blutdruckabfall sichtbar werden.
  • Literaturhinweis: In anderen Häusern findet man Katecholamine teils distal/zweitdistal, weil der Auslass zentraler liegt. Im Alltag dieser SOP ist verbindlich: Katheterbeschriftung prüfen und Hausstandard anwenden.
Lumen-Belegung & Perfusorenwas läuft typischerweise über welchen Schenkel

Welche Perfusoren/Medikamente typischerweise über welches Lumen laufen. Orientierung nach hausinternem Standard; in der Fachliteratur und in anderen Häusern kann die Belegung abweichen.

Distalgrößeres Lumenbraun
  • Parenterale Ernährung / Lipide über eigenes Lumen nach Hausstandard
  • ZVD-Messung & rasche Volumengabe
  • zentrale Blutentnahme / BGA, sofern nicht laufend belegt
MedialDauerinfusionenblau
  • Sedierung / Analgesie: Propofol, Sufentanil, (Es-)Ketamin, Midazolam
  • weitere kompatible Dauerinfusionen / Inotropika: Dobutamin, Milrinon
  • Antiarrhythmie-Perfusor: Amiodaron (möglichst eigenes Lumen)
  • Reserve für inkompatible Substanzen nach Kompatibilitätsprüfung
ProximalKatecholamineweiß
  • Katecholamine (): Noradrenalin, Adrenalin, Vasopressin
  • eigene, durchgehend laufende Leitung
  • keine Bolusgabe, kein Spülen, kein Anspülen, keine Unterbrechung

Regeln zur Belegung

Cave Wichtig: Nach Hausstandard sind proximal und distal bewusst getauscht. Katecholamine laufen proximal dediziert; distal bleibt für PE/Lipide, Volumen, ZVD und Blutentnahme/BGA vorgesehen.

Ausführliche Begründung: In der Literatur und in SOPs anderer Häuser findet man Katecholamine häufig am distalen oder zweitdistalen Schenkel. Die Begründung dort ist meist die zentralere Lage des Auslasses nahe der Katheterspitze und die Annahme, dass dieser Auslass bei Kathetermigration länger intravasal beziehungsweise zentral liegt.

Der hausinterne Standard setzt hier einen anderen Schwerpunkt: Das distale Lumen ist häufig das größere Lumen und wird im Stationsalltag für höhere Laufraten genutzt, zum Beispiel parenterale Ernährung/Lipide, Volumengabe, ZVD-Messung und zentrale Blutentnahme/BGA. Katecholamine sollen nicht an dieses Hochfluss-Lumen gekoppelt werden.

  • Keine ungewollten Bolus-Effekte: Bei hohen Laufraten, Leitungsspülung, Anspülen, Systemwechsel oder Titrieren anderer Infusionen könnte ein distal mitlaufendes Katecholamin unbeabsichtigt schneller zum Patienten gelangen.
  • Keine ungewollten Pausen: Wird das distale Lumen für Blutentnahme, BGA, ZVD oder Volumen kurz manipuliert, darf dadurch keine Katecholamin-Zufuhr unterbrochen werden.
  • Dedizierter Schenkel: Katecholamine laufen proximal über eine eigene, klar beschriftete und durchgehend laufende Leitung. Dieser Schenkel wird nicht gebolt, nicht gespült, nicht angespült und nicht für Blutentnahmen genutzt.
  • Praxisregel: Beschriftung am Katheter prüfen, Lumen eindeutig kennzeichnen und bei abweichendem Kathetermodell oder unklarer Situation den Hausstandard beziehungsweise ärztlich/pflegerische Festlegung anwenden.

Merksatz: Distal = Hochfluss-/Mess-/Entnahme-Lumen, proximal = ruhiger, dedizierter Katecholamin-Schenkel.

Wirkstoffe, Konzentrationen & Laufraten siehe Perfusoren. Sedativa-Differenzierung siehe Sedierung & Delir.
ArterieRR-Messung & BGA — keine Medikamente

Einlumiger Katheter (häufig A. radialis) für invasive Blutdruckmessung und arterielle BGA. Rot kennzeichnen.

NaCl 0,9 % · 300 mmHg A. radialis Probenport Aufnehmer Monitor

Aufbau: Arterie → Probenport (3-Wege) → Druckaufnehmer → Monitor · kontinuierliche Druckspülung (NaCl 0,9 %, 300 mmHg).

Handhabung

Arterielle Blutentnahme (BGA)Schritt für Schritt
  1. Hände desinfizieren, Handschuhe; BGA-Spritze & Tupfer bereitlegen.
  2. Probenport / 3-Wege-Hahn wischdesinfizieren (Einwirkzeit, trocknen).
  3. Verwurf: offenes System ~2–3 ml verwerfen · geschlossenes System (z. B. VAMP) Blut ins Reservoir aspirieren.
  4. BGA-Spritze langsam & luftblasenfrei füllen.
  5. Geschlossenes System: Reservoirblut zurückgeben; Hahn zurückstellen.
  6. Mit Druckspülung (NaCl 0,9 %) klar spülen; Port wischdesinfizieren & verschließen.
  7. Spritze entlüften, rollen/mischen, beschriften, zeitnah analysieren; Kurve/Nullabgleich prüfen.
Cave: keine Luftblasen (verfälscht die BGA) · Verwurf ausreichend (sonst Verdünnung mit Spüllösung) · niemals Medikamente · zeitnah messen.
Cave intraarteriell: versehentliche Medikamenten-Injektion in die Arterie kann zu schwerer Ischämie/Nekrose führen — Arterie eindeutig kennzeichnen und niemals als Infusionszugang nutzen.
Sheldon / ShaldonDialysekatheter — A & V

Großlumiger Doppellumen-Katheter für den Nierenersatz (CVVHD). Hohe Flüsse, zwei Schenkel.

Arteriell „A" (rot)EntnahmeBlutentnahme zum Gerät; Füllvolumen am Schenkel angegeben.
Venös „V" (blau)RückgabeRückgabe zum Patienten; Füllvolumen am Schenkel angegeben.

Handhabung

Verfahren & CiCa-Antikoagulation siehe Unterseite CVVHD / Dialyse.
Peripher · PVKVerweilkanüle — Farbcode & Fluss

Periphervenöse Verweilkanüle für kurzfristige Therapie. Keine Katecholamine, keine hyperosmolaren/vesikanten Lösungen über die Peripherie.

PVKVenflonVasofix

Verweilkanülen — Farbcode & Fluss

Internationaler Farbcode (ISO). Im Schock/Arrest zählt großes Lumen: kurz & dick fließt am schnellsten.

GrößeAußen-ØDurchfluss*Typischer Einsatz
14 G2,1 mm~270–340Massivtransfusion, Polytrauma, Schock
16 G1,7 mm~180–220Großvolumen, OP, Volumentherapie
17 G1,5 mm~125–145Rasche Infusion, Transfusion
18 G1,3 mm~90–105Bluttransfusion, KM-CT
20 G1,1 mm~55–65Standard Erwachsene
22 G0,9 mm~31–36Dünne/fragile Venen, ältere Pat.
24 G0,7 mm~20–22Kinder, sehr feine Venen
26 G0,6 mm~13–15Neonaten

*Freier Schwerkraftfluss, Wasser, ca.-Werte – herstellerabhängig (z. B. Vasofix / Venflon). Bei Druck/Infusomat höher.

CAVE peripher: keine Katecholamine, kein hochkonzentriertes Kalium, keine hyperosmolaren/vesikanten Substanzen über den PVK → Gefahr von Phlebitis & Paravasat. Eintrittsstelle auf Rötung/Schwellung kontrollieren.
Im Notfall/Reanimation ist die rasche periphere Zugangswahl Teil des Algorithmus — siehe ALS / Reanimation. Wirkstoffe & Ansätze siehe Perfusoren.
Intraossär · i.o.wenn i.v. nicht gelingt — alle Medikamente möglich
Wann i.o.? Wenn i.v. nicht binnen ~90 s / 2 Versuchen gelingt – im Arrest sofort gerechtfertigt. Über i.o. sind alle Medikamente & Volumen wie i.v. applizierbar.
Femur Tuberositas Fibula 90° MEDIAL LATERAL
Standard: proximale Tibia · 2 cm medial & 1 cm distal der Tuberositas · flache Innenfläche

Punktionsstellen (Erwachsene)

Alternative: proximaler Humerus

45° Acromion Humerus Tuberculum majus
Arm angelegt & innenrotiert, Hand auf den Bauch · Einstich am Tuberculum majus · Nadel 45° zur Vorderfläche, Spitze nach kaudal · 45-mm-Nadel (gelb)

Nadelwahl (EZ-IO) — Farbcode & Länge

Alle EZ-IO-Nadeln 15 G – Unterschied ist die Länge (Hub-Farbe). Regel: 5-mm-Marke muss nach dem Aufsetzen sichtbar bleiben.

FarbeLängeEinsatz
Rosa15 mmKinder / schmale Weichteile (3–39 kg)
Blau25 mmStandard Erwachsene (≥ 40 kg)
Gelb45 mmAdipositas / proximaler Humerus

Vorgehen (EZ-IO Bohrsystem)

Kontraindikationen & Cave: Fraktur/Prothese am Zielknochen · i.o. an gleicher Stelle < 48 h · Infektion über der Einstichstelle · fehlende Landmarke. Komplikation: Extravasat → Kompartmentsyndrom (Nadellage & Wade kontrollieren). Liegedauer i. d. R. max. 24 h.
Im Reanimationskontext eingebettet im ALS / Reanimation-Algorithmus.
EVD · Externe VentrikeldrainageLiquor messen & ableiten · Nullpunkt Tragus

Katheter im Seitenventrikel, der nach außen in ein Auffangsystem abgeleitet wird. Er kann gleichzeitig den Hirndruck (ICP) messen und Liquor ableiten — daher der Standard bei Hydrozephalus, intraventrikulärer Blutung (IVH) und Subarachnoidalblutung (SAB).

Ventrikel Skala (cmH₂O) Beutel Nullpunkt · Foramen Monroi / Tragus

Aufbau: Ventrikel → Katheter → Tropfkammer mit Höhenskala → Auffangbeutel · Nullpunkt auf Höhe Foramen Monroi (äußerer Gehörgang / Tragus).

Handhabung

Cave beim Umlagern/Transport: Vor jeder Kopf-/Lageänderung, Mobilisation und Transport die EVD abklemmen (nach SOP) — sonst Über-/Unterdrainage. Danach Nullpunkt neu einstellen und wieder öffnen. Höhe niemals eigenmächtig verändern.
Weiter zur Neuro ICUGeräte & Katheter (Parenchym-/Bolt-Sonde, Lumbaldrainage, ptiO₂) sowie ICP/CPP-Steuerung & Formeln
Handhabung & Pflege (allgemein)Aseptik, Spülen, Verband, Liegedauer

Aseptik & Konnektoren

Verband

Liegedauer & Infektion (CRBSI)

Tägliche Kontrolle aller Zugänge ist Teil des Antrittschecks.
Weiter zu den PerfusorenStandard-Etiketten: Wirkstoff pro ml & Ansatz je Perfusor