Stoffwechsel · Intensivstation

Ernährung

Postaggressionsstoffwechsel, Kalorien- und Proteinziel, Phosphat & Refeeding, Praxis am Bett — mit Kalorienrechner nach DGEM-Algorithmus.

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KalorienrechnerZufuhr heute
KalorienrechnerZiel, Tagesrate, Protein und Fremdkalorien

Gewichtsbezogene Schätzung nach DGEM-Logik: Kalorienziel, daraus die heutige Zufuhrrate nach Phase und metabolischer Toleranz, Proteinziel und Abzug der nicht-ernährungsbedingten Kalorien. Ersetzt keine indirekte Kalorimetrie.

Phase
Max. Insulinbedarf am Vortag
Phosphat heute morgen
NICE-Kriterien (National Institute for Health and Care Excellence) zur Einschätzung des Refeeding-Risikos vor dem ersten Kalorienangebot. Hohes Risiko besteht bei einem Hauptkriterium oder zwei Nebenkriterien.

Hauptkriterien: BMI < 16 kg/m² · unbeabsichtigter Gewichtsverlust > 15 % in 3–6 Monaten · > 10 Tage kaum oder keine Nahrungsaufnahme · niedriges Phosphat, Kalium oder Magnesium vor Ernährungsbeginn.

Nebenkriterien: BMI < 18,5 kg/m² · Gewichtsverlust > 10 % in 3–6 Monaten · > 5 Tage kaum oder keine Nahrungsaufnahme · Alkoholkrankheit oder Therapie mit Insulin, Diuretika, Antazida bzw. Chemotherapie.

Trifft das zu: Thiamin vor der ersten Kalorie, Start bei rund 25 % des Ziels, Elektrolyte täglich.
Kalorienziel (100 %)
kcal/24 h
Zufuhr heute
kcal/24 h
Protein · Aminosäuren
g/24 h
Sondenkost 1 kcal/ml
ml/h
Orientierungswerte für Erwachsene. Der Rechner ersetzt weder die indirekte Kalorimetrie noch die ärztliche Verordnung. Verbindlich sind Hausstandard, Fachinformation und ärztliche Anordnung.
PostaggressionsstoffwechselPhasen · Katabolie · warum früh nicht voll ernährt wird

Nach Trauma, OP, Sepsis oder Verbrennung stellt der Körper von Aufbau auf Bereitstellung um: Glykogenolyse und Glukoneogenese in der Leber, Proteolyse in der Muskulatur, Lipolyse im Fettgewebe. Diese endogene Substratproduktion lässt sich durch exogene Zufuhr nicht wesentlich abschalten — sie beträgt in der Akutphase größenordnungsmäßig 500–1400 kcal/Tag. Wer früh volle Kalorien gibt, addiert also auf eine bereits laufende Produktion: das Ergebnis ist Overfeeding.

Phasen der kritischen Erkrankung

Phase
Organdysfunktion · Inflammation · Stoffwechsel
frühe Akutphase
Tag 1–3
schwere oder zunehmende (Mehr-)Organdysfunktion, progrediente Inflammation, katabol
späte Akutphase
ca. Tag 2–4 danach
stabile oder sich bessernde Organdysfunktion, regrediente Inflammation, katabol–anabol
Postakutphase
> 7 Tage
weitgehend wiederhergestellte Organfunktion, Resolution der Inflammation, anabol — Rekonvaleszenz/Rehabilitation
chronische Phase
> 7 Tage
persistierende Organdysfunktion und Immunsuppression, katabol (PICS = Persistent Inflammation, Immunosuppression and Catabolism Syndrome.

Der Patient überlebt die Akutphase, kommt aber nicht heraus: die Entzündung schwelt weiter, das Immunsystem bleibt gelähmt und der Muskelabbau läuft über Wochen bis Monate.

Typisches Bild: Beatmung und Intensivaufenthalt > 14 Tage, wiederkehrende Infekte mit oft opportunistischen Keimen, schlechte Wundheilung, Anhaltende Lymphopenie und CRP-Erhöhung, fortschreitender Verlust an Muskelmasse trotz Ernährung, Dekubitus, Delir.

Ernährungstherapeutisch: isokalorisch (100 % des Umsatzes) plus Protein am oberen Rand des Ziels — aber nur wirksam in Kombination mit Mobilisation und Training. Ohne Belastungsreiz wird das Substrat nicht in Muskel umgesetzt.

Nicht verwechseln mit der Rekonvaleszenz: dort klingt die Inflammation ab und der Stoffwechsel wird anabol. Beim PICS bleibt er katabol.
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Die Zeitangaben sind empirische Durchschnittswerte und können im Einzelfall deutlich abweichen. Bei erneuter Homöostasestörung (z. B. neue Sepsis, Re-OP) beginnt der Ablauf wieder in der Akutphase.

Was hormonell passiert

Achse
Folge am Bett
Katecholamine ↑↑
Glykogenolyse, Lipolyse, Insulinsekretion ↓, Energieumsatz ↑
Cortisol ↑↑
Proteolyse, Glukoneogenese, Natrium- und Wasserretention
Glukagon ↑
hepatische Glukoseproduktion läuft trotz Hyperglykämie weiter
Insulinresistenz
Stresshyperglykämie; der Insulinbedarf ist ein Maß für die metabolische Toleranz
IL-1, IL-6, TNF-α ↑
Fieber, Akutphaseproteine, Muskelabbau, Anorexie
Zwei Kaskaden, ein Ergebnis: der Körper hält Wasser und Natrium zurück.
RAAS · Volumen & Natrium
Hypovolämie, Hypotonie, Sympathikus ↑Auslöser nach Trauma, OP, Sepsis
Renin aus der Nierejuxtaglomeruläre Zellen
Angiotensin I → Angiotensin IIACE, vor allem in der Lunge
Vasokonstriktion + AldosteronNebennierenrinde
Natrium- und Wasserretention, Kalium­ausscheidung ↑
ADH · freies Wasser
Osmolarität ↑, Volumen ↓, Schmerz, Stress, PEEPim Postaggressionsstoffwechsel auch ohne osmotischen Reiz
ADH aus dem Hypophysen­hinterlappenVasopressin
Aquaporine im SammelrohrV2-Rezeptor
freies Wasser wird rückresorbiert: Urin konzentriert, Serum-Natrium eher niedrig
Am Bett heißt das: positive Bilanz und Ödeme, Gewichtszunahme ohne Gewinn an Körpermasse, Verdünnungshyponatriämie — und ein Gewicht, das als Bezugsgröße für Kalorien und Protein unbrauchbar wird. Deshalb mit dem Aufnahme- bzw. Trockengewicht rechnen.
Wasserretention — die „Gewichtszunahme“ der ersten Tage ist Ödem, keine Masse
Low-T3-Syndrom
Anpassung, kein Therapieziel — nicht substituieren

Konsequenz für die Zufuhr

Empfehlung 9aDGEM 2018

Die Kalorienzufuhr-Rate sollte mit 75 % des gemessenen oder geschätzten Energieumsatzes beginnen und entsprechend der individuellen metabolischen Toleranz so gesteigert werden, dass bis zum Ende der Akutphase (4–7 Tage) 100 % erreicht werden.

Empfehlung 23ESPEN 2023

Um Overfeeding zu vermeiden, soll in der frühen Phase der kritischen Erkrankung hypokalorisch ernährt werden (nicht mehr als 70 % des gemessenen Energieumsatzes); ab Tag 3 kann auf 80–100 % gesteigert werden.

Overfeeding erkennen: steigende Triglyzeride, Hyperglykämie mit wachsendem Insulinbedarf, CO₂-Anstieg mit erschwertem Weaning, Transaminasen/Bilirubin ↑, Harnstoff ↑ ohne AKI, zunehmende Ödeme. Reaktion: Zufuhr reduzieren — nicht Insulin hochfahren.
Albumin und Präalbumin sind keine Ernährungsparameter. In der Inflammation sind sie Verteilungs- und Entzündungsmarker. Beurteilt werden Muskelmasse (Sono/CT), Kraft, Verlauf und die tatsächlich zugeführte Menge.
Kalorien- und ProteinzielKalorimetrie · 24 kcal/kg · nicht-ernährungsbedingte Kalorien

Energieumsatz bestimmen

Was alles als Kalorie zählt

Empfehlung 8DGEM 2018

Die Zufuhr nicht ernährungsbedingter Kalorien (Sedierung mit Propofol, Einsatz einer Citratdialyse) sollte bei der Berechnung der Gesamt-Kalorienzufuhr berücksichtigt werden.

Protein und Aminosäuren

Obergrenzen

Glukose parenteral (DGEM)max. 4 g/kg/d
Kohlenhydrate gesamt (ESPEN)max. 5 mg/kg/min
Fett (inkl. Propofol)max. 1,5 g/kg/d
Kalorisches Verhältnis KH : Fett70 : 30 bis 50 : 50
Glukose- : Aminosäurenkaloriennicht > 3 : 1 in der Akutphase
Blutzuckerziel< 180 mg/dl (< 10 mmol/l)
Lipide immer kontinuierlich über 12–24 h infundieren, keine Bolusgaben. Bei Triglyzeriden > 400 mg/dl (> 4,5 mmol/l) Zufuhr reduzieren und Propofol als Fettquelle mitrechnen.
Phosphat & RefeedingDer Wert, der beim Ernährungsstart als erster kippt

Phosphat ist Baustein von ATP, 2,3-DPG, Nukleinsäuren und Membranphospholipiden. Mit dem Ernährungsstart steigt Insulin und schiebt Phosphat, Kalium und Magnesium nach intrazellulär. Bei vorbestehendem Mangel entsteht daraus innerhalb von Stunden bis 72 h ein kritischer Abfall — das Refeeding-Syndrom.

Serumphosphat Norm0,84–1,45 mmol/l
Grenze metabolische Intoleranz (DGEM)< 0,65 mmol/l
Refeeding-Hypophosphatämie (ESPEN)< 0,65 mmol/l oder Abfall > 0,16 mmol/l
Schwere Hypophosphatämie< 0,32 mmol/l
Symptome der Hypophosphatämieoft zuerst am Respirator sichtbar
  • Respiratorisch: Zwerchfell- und Atemmuskelschwäche → Weaning-Versagen, Reintubation. Häufig das erste klinische Zeichen.
  • Kardial: Kontraktilität ↓, steigender Katecholaminbedarf, Arrhythmien.
  • Neurologisch: Verwirrtheit, Delir, Parästhesien, Krampfanfälle.
  • Muskulär: Schwäche, Rhabdomyolyse.
  • Hämatologisch: Hämolyse; 2,3-DPG ↓ verschiebt die O₂-Bindungskurve nach links → Gewebehypoxie trotz guter Sättigung.
Ursachen auf der IntensivstationShift · Verlust · Bindung
  • Shift nach intrazellulär: Refeeding, Insulintherapie, respiratorische Alkalose (Hyperventilation!), Katecholamine, Erholung nach diabetischer Ketoazidose.
  • Renaler Verlust: CVVHD/CVVHDF (regelhaft — der Filter entfernt Phosphat), Diuretika, Tubulopathie, Hyperparathyreoidismus.
  • Mangel und enteraler Verlust: Alkoholkrankheit, Mangelernährung, chronische Diarrhoe, Kurzdarm, Erbrechen.
  • Bindung: Phosphatbinder, Antazida, Sevelamer.
Unter kontinuierlicher Dialyse ist die Hypophosphatämie die Regel. Entweder phosphathaltige Dialysatlösung verwenden oder kontinuierlich substituieren — und mindestens täglich kontrollieren.

Phosphat als Steuergröße der Zufuhr

Die DGEM-Leitlinie schlägt einen Algorithmus vor, der die Kalorienzufuhr am morgendlichen Phosphatwert ausrichtet. Er ist bewusst einfach — und nicht anwendbar unter Nierenersatztherapie, weil dort der Phosphatabfall vom Verfahren kommt und nicht vom Refeeding.

Phosphat morgens
Substratzufuhr an diesem Tag
≥ 0,65 mmol/l
Zufuhrrate des Vortages + 6 kcal/kg/d steigern, bis maximal 24 kcal/kg/d
< 0,65 mmol/l
zurück auf 6 kcal/kg/d + Phosphatsubstitution, erst bei Erholung wieder steigern
Empfehlung 9bDGEM 2018

Bei eindeutigen Zeichen einer metabolischen Intoleranz (Blutzucker > 180 mg/dl trotz Insulinzufuhr > 4 IE/h, Plasma-Phosphat < 0,65 mmol/l) sollte die Kalorien- und Makronährstoffzufuhr so weit reduziert werden, bis eine Toleranz erreicht ist bzw. keine Phosphatsupplementierung mehr nötig ist.

Empfehlung 57–59ESPEN 2023

Kalium, Magnesium und Phosphat mindestens einmal täglich in der ersten Woche messen. Bei Refeeding-Hypophosphatämie (< 0,65 mmol/l oder Abfall > 0,16 mmol/l) auf 2–3 Messungen pro Tag erhöhen, substituieren und die Energiezufuhr für 48 h begrenzen, dann stufenweise steigern.

Refeeding-Risiko erkennenNICE-Kriterien · ASPEN-Schweregrade
Risiko vor dem ersten Kalorienangebot
Ein Hauptkriterium genügt
oder zwei Nebenkriterien
BMI < 16 kg/m²
Gewichtsverlust > 15 % in 3–6 Monaten
> 10 Tage kaum Nahrung
P, K oder Mg vor Start niedrig
BMI < 18,5 kg/m²
Gewichtsverlust > 10 % in 3–6 Monaten
> 5 Tage kaum Nahrung
Alkoholkrankheit; Therapie mit Insulin, Diuretika, Antazida oder Chemotherapie
Schweregrad nach Beginn (ASPEN 2020)
  • Leicht: Abfall von Phosphat, Kalium und/oder Magnesium um 10–20 %.
  • Moderat: Abfall um 20–30 %.
  • Schwer: Abfall > 30 % und/oder Organdysfunktion durch den Abfall bzw. durch Thiaminmangel.
  • Zeitfenster: innerhalb von 5 Tagen nach Beginn oder deutlicher Steigerung der Kalorienzufuhr.
Vorgehen bei Risiko: Thiamin 200–300 mg i.v. vor der ersten Kalorie und dann täglich für mindestens 3 Tage, dazu Multivitamin. Start mit rund 25 % des Ziels (etwa 5–10 kcal/kg/d bzw. 100–150 g Glukose in den ersten 24 h), Steigerung um etwa ein Drittel des Ziels alle 1–2 Tage. Flüssigkeit und Natrium zurückhaltend, Bilanz und Gewicht führen, EKG-Monitoring.
Nicht komplett stoppen. Beim Refeeding-Syndrom wird die Zufuhr reduziert und elektrolytisch nachgeführt. Ein vollständiger Stopp verlängert nur die Katabolie — nur bei nicht beherrschbarer Intoleranz ist eine Unterbrechung vorgesehen.
Substitution & FallstrickeDosis · Laufrate · Kompatibilität
Serumphosphat
Orientierungsdosis i.v. · Kontrolle
0,60–0,80 mmol/l
0,08–0,16 mmol/kg über 6 h · Kontrolle nach 6–12 h
0,32–0,59 mmol/l
0,16–0,32 mmol/kg über 6–12 h · Kontrolle nach 6 h
< 0,32 mmol/l
0,32–0,50 mmol/kg über 12 h, ggf. wiederholen · Kontrolle nach 4–6 h
  • Laufrate: langsam über 6–12 h; keine Bolusgaben. Bei stabiler Situation und funktionierendem GI-Trakt reicht oft die enterale Zufuhr.
  • Kalium mitrechnen: Kaliumphosphat-Präparate liefern gleichzeitig Kalium — bei Niereninsuffizienz oder Hyperkaliämie Natriumphosphat bevorzugen.
  • Nie mit Calcium in derselben Leitung — Ausfällung von Calciumphosphat. Getrenntes Lumen oder gründlich spülen.
  • Calcium und Magnesium mitbestimmen: die Substitution kann das ionisierte Calcium senken; ein Magnesiummangel verhindert die Korrektur von Kalium und Phosphat.
Dosisangaben sind Orientierungswerte und je nach Präparat unterschiedlich (mmol Phosphat pro Ampulle beachten). Verbindlich sind Hausstandard, Fachinformation und ärztliche Anordnung.
Hyperphosphatämie: Niereninsuffizienz, Rhabdomyolyse, Tumorlyse, Zellzerfall, exzessive Zufuhr. Therapie: Ursache behandeln, Volumen, Phosphatbinder zu den Mahlzeiten, bei Nierenversagen Dialyse. Ionisiertes Calcium im Blick behalten.
Zugangsweg & Startenteral, parenteral, wann verschieben

Reihenfolge

Enteral verschieben

Niedrig dosiert möglich

Empfehlung 24DGEM 2018

Bei hämodynamischer Instabilität (hohe oder steigende Dosen vasoaktiver Medikamente, persistierende oder progrediente Zeichen einer Organminderperfusion) sollte keine enterale Ernährungstherapie durchgeführt, sondern phasen- und toleranzgerecht parenteral ernährt werden.

Enteral trotzdem möglich bei ECMO, Bauchlage, offenem Abdomen, Muskelrelaxierung, NIV mit erhaltenen Schutzreflexen, Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall, Querschnitt, schwerer Pankreatitis (gastral als erste Wahl), nach GI-Chirurgie mit intakter Anastomose — und unabhängig von Darmgeräuschen, solange keine Ischämie oder Obstruktion vermutet wird.
Praxis am Bett & MonitoringSonde · Reflux · Diarrhoe · Kontrollen

Was wie oft kontrolliert wird

Parameter
Frequenz · Hinweis
Blutzucker
in den ersten 2 Tagen mindestens 4-stündlich, bei Instabilität häufiger. Insulin ab > 180 mg/dl (10 mmol/l), kontinuierlich per Perfusor bei laufender Ernährung
Phosphat, Kalium, Magnesium
täglich in der ersten Woche; bei Refeeding-Hypophosphatämie 2–3× täglich
Triglyzeride
2×/Woche, unter Propofol und PN häufiger
Leberwerte, Bilirubin
2×/Woche — PN-assoziierte Cholestase, Overfeeding
Harnstoff, Kreatinin
täglich; Harnstoffanstieg ohne AKI → Proteinüberangebot prüfen
Bilanz, Gewicht, Natrium
täglich — Ödeme und Überwässerung erkennen
Abdomen, Stuhl, Reflux
jede Schicht: Umfang, Weichheit, Geräusche, Erbrechen, Stuhlgang
Erreichte vs. verordnete Zufuhr
täglich dokumentieren — Pausen für CT, OP und Extubation summieren sich zum Defizit

Sondenkost sicher führen

Intoleranz und Komplikationen

SonderfälleAdipositas · CRRT · ECMO · Verbrennung

Adipositas (BMI ≥ 30)

Weitere Situationen

Situation
Besonderheit
CVVHD / CVVHDF
Verlust von Aminosäuren (10–15 g/d), Phosphat, Magnesium, wasserlöslichen Vitaminen; Citrat liefert Kalorien; ab > 2 Wochen Verfahren an Kupfer- und Selenmangel denken
ECMO / ECLS
Energiebedarf per gewichtsbezogener Formel schätzen — indirekte Kalorimetrie ist hier nicht verwertbar; enteral in allen Phasen möglich; Lipide nicht in den ECMO-Kreislauf, sondern kreislauffern zentral venös über 12–24 h
Akute Pankreatitis
früh enteral, gastral als erste Wahl; keine prophylaktische Nahrungskarenz
Verbrennung > 20 % KOF
extremer Hypermetabolismus; früh enteral; zusätzlich Glutamin enteral 0,3–0,5 g/kg/d für 10–15 Tage; hoher Bedarf an Zink, Kupfer, Selen
Polytrauma
höhere Proteinzufuhr (1,5–2 g/kg/d) erwägen; Glutamin enteral 0,2–0,3 g/kg/d für 5 Tage möglich
Offenes Abdomen
Eiweißverlust ca. 20–30 g pro Liter Sekret ausgleichen; enteral bei funktionierendem GI-Trakt möglich
Leberversagen
Protein nicht restriktiv; Bezugsgröße Trockengewicht; Hypoglykämiegefahr; niedrig dosiert enteral nach Kontrolle der Entgleisung
Dysphagie nach Extubation
häufig und oft über Tage bis Wochen: Schluckassessment, texturadaptierte Kost; bei unsicherem Schlucken enteral, bei sehr hohem Aspirationsrisiko postpylorisch
Therapiezieländerung
Ernährung ist eine Therapie und wird zieladaptiert reduziert oder beendet. Mundpflege, Durstlinderung und Zuwendung bleiben immer

Mikronährstoffe

Quellen: DGEM-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Intensivmedizin“ (S2k, AWMF 073-004, Version 2.0, 2018 — Gültigkeit abgelaufen, Aktualisierung als S3-Leitlinie läuft; die Empfehlungen sind weiterhin der deutsche Bezugspunkt) · ESPEN practical and partially revised guideline „Clinical nutrition in the intensive care unit“ (Clin Nutr 2023) · ASPEN Consensus Recommendations for Refeeding Syndrome (Nutr Clin Pract 2020) · NICE-Kriterien zum Refeeding-Risiko. Empfehlungsnummern dienen der Orientierung. Quellen & Leitlinien: Referenzen.