Postaggressionsstoffwechsel, Kalorien- und Proteinziel, Phosphat & Refeeding, Praxis am Bett — mit Kalorienrechner nach DGEM-Algorithmus.
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Gewichtsbezogene Schätzung nach DGEM-Logik: Kalorienziel, daraus die heutige Zufuhrrate nach Phase und metabolischer Toleranz, Proteinziel und Abzug der nicht-ernährungsbedingten Kalorien. Ersetzt keine indirekte Kalorimetrie.
Nach Trauma, OP, Sepsis oder Verbrennung stellt der Körper von Aufbau auf Bereitstellung um: Glykogenolyse und Glukoneogenese in der Leber, Proteolyse in der Muskulatur, Lipolyse im Fettgewebe. Diese endogene Substratproduktion lässt sich durch exogene Zufuhr nicht wesentlich abschalten — sie beträgt in der Akutphase größenordnungsmäßig 500–1400 kcal/Tag. Wer früh volle Kalorien gibt, addiert also auf eine bereits laufende Produktion: das Ergebnis ist Overfeeding.
Die Zeitangaben sind empirische Durchschnittswerte und können im Einzelfall deutlich abweichen. Bei erneuter Homöostasestörung (z. B. neue Sepsis, Re-OP) beginnt der Ablauf wieder in der Akutphase.
Die Kalorienzufuhr-Rate sollte mit 75 % des gemessenen oder geschätzten Energieumsatzes beginnen und entsprechend der individuellen metabolischen Toleranz so gesteigert werden, dass bis zum Ende der Akutphase (4–7 Tage) 100 % erreicht werden.
Um Overfeeding zu vermeiden, soll in der frühen Phase der kritischen Erkrankung hypokalorisch ernährt werden (nicht mehr als 70 % des gemessenen Energieumsatzes); ab Tag 3 kann auf 80–100 % gesteigert werden.
Die Zufuhr nicht ernährungsbedingter Kalorien (Sedierung mit Propofol, Einsatz einer Citratdialyse) sollte bei der Berechnung der Gesamt-Kalorienzufuhr berücksichtigt werden.
Phosphat ist Baustein von ATP, 2,3-DPG, Nukleinsäuren und Membranphospholipiden. Mit dem Ernährungsstart steigt Insulin und schiebt Phosphat, Kalium und Magnesium nach intrazellulär. Bei vorbestehendem Mangel entsteht daraus innerhalb von Stunden bis 72 h ein kritischer Abfall — das Refeeding-Syndrom.
Die DGEM-Leitlinie schlägt einen Algorithmus vor, der die Kalorienzufuhr am morgendlichen Phosphatwert ausrichtet. Er ist bewusst einfach — und nicht anwendbar unter Nierenersatztherapie, weil dort der Phosphatabfall vom Verfahren kommt und nicht vom Refeeding.
Bei eindeutigen Zeichen einer metabolischen Intoleranz (Blutzucker > 180 mg/dl trotz Insulinzufuhr > 4 IE/h, Plasma-Phosphat < 0,65 mmol/l) sollte die Kalorien- und Makronährstoffzufuhr so weit reduziert werden, bis eine Toleranz erreicht ist bzw. keine Phosphatsupplementierung mehr nötig ist.
Kalium, Magnesium und Phosphat mindestens einmal täglich in der ersten Woche messen. Bei Refeeding-Hypophosphatämie (< 0,65 mmol/l oder Abfall > 0,16 mmol/l) auf 2–3 Messungen pro Tag erhöhen, substituieren und die Energiezufuhr für 48 h begrenzen, dann stufenweise steigern.
Bei hämodynamischer Instabilität (hohe oder steigende Dosen vasoaktiver Medikamente, persistierende oder progrediente Zeichen einer Organminderperfusion) sollte keine enterale Ernährungstherapie durchgeführt, sondern phasen- und toleranzgerecht parenteral ernährt werden.